Indonesien hat so viel zu bieten

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Indonesien : Auf großer Fahrt mit Surabaya-Johnny
Bernd Schiller
Rundschnitt, bitte. Der Bahnhofsfriseur erledigt seinen Job im Freien.
Rundschnitt, bitte. Der Bahnhofsfriseur erledigt seinen Job im Freien.Foto: Bernd Schiller

Wieder zieht draußen Asien vorbei: Reisfelder, Vanillegärten, Mahagoniwälder, Ochsenkarren, Rikschaflotten in den Dörfern. Im Zug wird mal Reis mit Huhn, mal Huhn mit Reis am Platz serviert. An den Bahnhöfen, alle zwanzig oder dreißig Minuten, drängen Frauen an die Abteiltüren und bieten Bananen, Papayas und, kaum zu glauben, Nasi Goreng, Reis mit Huhn an. Eine junge Frau mit Kopftuch steigt zu und setzt sich in meine Nähe. Sie erzählt, dass sie Surya heiße, übersetzt: die Sonne. Ihre Sehnsucht nach der weiten Welt sitzt tief, und nach einer halben Stunde Konversation auf Englisch fragt sie mich, ob ich sie heiraten will.

Surya scheint nicht einmal enttäuscht zu sein, als ich mich nach einer höflichen Absage wieder meiner Lektüre und dem Blick ins Grüne widme. Irgendwann schlafe ich ein, und als ich aufwache, rumpeln wir durch die Vororte von Yogya, wie Yokyakarta hier gern abgekürzt wird. Surya ist verschwunden, und auf dem großen Bahnhof von Yogya herrscht dunkles Gewimmel. Arief, Facebook-Freund eines Freundes, holt mich ab, und wir tauchen tagelang ein in Basare, Tabakfabriken und Batikfärbereien, bevor wir zum Borobodur fahren, dem größten buddhistischen Monument der Welt.

Eine Woche später: Mit Bussen, Pferdewagen, Fahrradrikschas und Lokalbahnen nähere ich mich Solo und Wonosobo und überquere das Dieng-Plateau nach Norden, nach Semarang. Es folgt die letzte Zugetappe nach Surabaya. Dort, im Majapahit-Hotel, einem Kolonialbau, der vor hundert Jahren von den Brüdern Sarkies errichtet wurde, die kurz zuvor das berühmte Raffles in Singapur gegründet hatten, treffe ich einen Hamburger Kaufmann. Er hat sein Büro in Jakarta und besucht in Surabaya einen Kunden.

Abends im Garten unterhalten wir uns über Indonesien, über Java, seine großen und kleinen Wunder. Der Handelsmann, ein Asienkenner, bedauert, dass die meisten Touristen mit Indonesien allenfalls Bali verbinden. Dabei habe gerade Java so viel zu bieten. Ich folge seinem Tipp und besuche den alten Teil des Hafens, in dem, wie in der Hauptstadt, hölzerne Lastensegler auf Ladung warten. Surabaya-Johnny habe ich dort nicht getroffen, auch nicht den „Weißen Strand von Surabaya“, von dem das Hula Hawaiian Quartett zu Schelllackzeiten gesülzt hat. Aber das Meer, das trägt noch immer „viele hundert Boote“, wie es im Schlager der fünfziger Jahre heißt, nach Sulawesi hinüber und immer weiter, bis hinter den Horizont.

Indonesien auf der ITB: Halle 26

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