Spannende Tage im Vulkanland, erholsame Stunden in den Teegärten

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Indonesien : Auf großer Fahrt mit Surabaya-Johnny
Bernd Schiller
Bunt präsentiert. Fliegende Händler auf den Bahnsteigen von Semarang bieten so ziemlich alles, was der Reisende braucht oder auch nicht benötigt.
Bunt präsentiert. Fliegende Händler auf den Bahnsteigen von Semarang bieten so ziemlich alles, was der Reisende braucht oder auch...Foto: Bernd Schiller

Der Zug schlingert an manchen Stellen heftig, denn die schmalen Gleise stammen aus der Zeit der holländischen Besetzung. Über den Schienenweg haben die niederländischen Kolonialherren exotische Gewürze, später auch Tabak, Kaffee, Tee und Kakao an die Küsten geschafft; mit Dampfzügen durch den Dschungel haben sie sich diese damals so entlegenen Welten erschlossen und dabei auf Kosten der Einheimischen kräftig verdient.

Die meisten Züge im heutigen Indonesien sind inzwischen bequem und meist pünktlich. Aber noch immer, auch mit den Diesel- und Elektroloks unserer Tage, ist eine Reise kreuz und quer durchs Herzland des alten Ostindiens ein Abenteuer, vor allem in den Lokalzügen abseits der großen Städte. Dort dampft wie eh und je der Wok im Speisewagen, und beim Essen der scharfen Reisgerichte muss man allen Turbulenzen zum Trotz die Tabletts auf den Knien balancieren, weil es keine Klapptische gibt.

Irgendwann beginne ich von einem Waggon zum anderen zu wandern. Abenteurer des Schienenstranges hocken da, wie man sie nur in solchen Zügen, weit ab vom Massentourismus, treffen kann. Da ist das Ehepaar Vandenberg aus Rotterdam, unterwegs auf den Spuren ihrer Vorfahren, die bis in die 1940er Jahre auf dieser Insel Tabak angebaut und Hunderte Javaanse Jongens auf ihren Plantagen beschäftigt haben. Da ist ein Konditor aus Heidelberg, der als Chefpatissier durch die Nobelhotels Asiens getingelt ist und danach über Jahre dem Sultan von Brunei seine Leibspeisen gekocht hat. Und da sind die jungen Globetrotter aus aller Welt, die unermüdlichen Rucksackreisenden auf der Suche nach ihrem Paradies.

Vor drei Wochen in Jakarta, dem alten Batavia der Holländer, hat diese Reise begonnen. Im Hafen Sunda Kelapa habe ich die Pinisi gesucht und gefunden, die alten Lastensegler, die wie zu Joseph Conrads Zeiten durch die Javasee und die Flores-See schippern, die Bandasee rauf und runter. Jakarta ist ein Moloch, zwölf Millionen Einwohner oder mehr, keiner weiß es genau. Aber in Kuta, im ehemaligen holländischen Viertel, stehen sie noch, die Kontorhäuser und heruntergekommenen Villen der Pfeffersäcke. Und in „Churchill’s Bar“, Teil des legendären Café Batavia, wird nach wie vor der beste Genever fern der Niederlande ausgeschenkt.

Die Relikte von Batavia atmen den morbiden Charme der Tropen. Das moderne Jakarta hingegen wächst in die Höhe und wuchert in die Breite. Mit einem Ticket für den Argo-Parahyangan-Zug flüchte ich nach Bandung, in die kühleren Berge Westjavas, dreieinhalb Stunden Serpentinenfahrt. Spannende Tage im Vulkanland, erholsame Stunden in den Teegärten, Spurensuche in einem Gebäude, in dem seit der Konferenz der Blockfreien im Jahre 1955 Nehru, Sukarno und andere Führer der seit damals so genannten Dritten Welt hocken, aus Holz modelliert. Und dann heißt mein Zug Lodaya Pagi und das Ziel Yogyakarta, die alte Sultansstadt, das kulturelle Herz Javas. Ich gönne mir „Eksekutif“, die erste Klasse, gut acht Stunden Fahrt für knapp 20 Euro.

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