Karneval auf hoher See : Wo am Aschermittwoch noch nicht alles vorbei ist

Für unermüdliche Jecken hat ein Kreuzfahrtanbieter den „Jeckliner“ erfunden. Hier singen sie auch im April noch kostümiert mit den Höhnern.

Motto „Helau, Alaaf und Ahoi“: Gibt's wohl auch nur auf hoher See.
Motto „Helau, Alaaf und Ahoi“: Gibt's wohl auch nur auf hoher See.Foto: Ulrich Schaarschmidt/Tui Cruises/PR

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Glücklicherweise dreht sich die Erde und wird dabei auch mal besser. Dass notorische Jecken zum Aschenkreuz im Gottesdienst am Morgen danach keinen kalten Absturz mehr fürchten müssen, ist einer zukunftsfähigen Idee des Kreuzfahrt-Unternehmens TUICruises zu verdanken. Auf der Suche nach neuen Themenreisen haben sie dort den „Jeckliner“ erfunden. Das ist ein Kreuzfahrtschiff voller Karnevalisten, die weit draußen auf dem Meer hemmungslos und unbeobachtet ihrer Leidenschaft nachgehen können – und das sogar außerhalb der Saison.

Fastnachtsabstinenzler sind weit weg

Egal, wie komisch die Kostüme, wie anstößig die Büttenreden, wie peinlich die Schunkelsongs auch sein mögen: Da ist man ganz unter sich, bestenfalls sogar ohne Handy-Empfang, obwohl das leider nicht mehr gesichert ist. Jedenfalls braucht in dieser Gesellschaft niemand den humorlosen Spott der Fastnachtsabstinenzler zu fürchten oder den allgegenwärtigen Pranger einer politisch hyperkorrekten Gesellschaft. „Jeckliner – Dat nennt mer Jlöck“ lautet der Titel der offiziellen Hymne, die zum Beispiel vom 20.-24. April 2020 nach Herzenslust auf der Mein Schiff 4 gesungen werden kann.

Die Höhner sind auch dabei

Los gehts in Palma, Mallorca. Mit dabei wird auch die populäre Band „Die Höhner“ sein. Die singen ja sowieso so schön und treffend: „Wo mer sin, es Kölle, ejal wo mr sin!“ Und Karneval! Das Meer verträgt so einiges. Also auch Klangwolken mit verschärftem rheinischem Frohsinn unter anderem auch von den Paveiern und den Klüngelköpp.

Getränke sind inklusive

Wäre wohl gut, für die Tour einen Schiffsarzt zu haben, der auf Kater und Heiserkeit spezialisiert ist. Wer von einer Karriere als Funkenmariechen träumt, kann sogar mit einer professionellen Garde-Tänzerin trainieren. Leider dauert die Reise nur vier Tage, aber angesichts der Trinkfestigkeit der zu erwartenden Gäste, ist das wohl auch besser so, denn, wie hier üblich, ist fast alles inklusive, auch süffige Getränke. qq

Leicht umgedichtet, zum Mitsingen auf See, bekommt Willy Schneiders alte Karnevalsnummer da einen ganz neuen Klang: „Wenn das Wasser im Meer, gold'ner Wein wär/Ja dann möcht' ich so gern ein Fischlein sein./ Ei, wie könnte ich dann saufen/ brauchte keinen Wein zu kaufen/ denn das Fass von Mutter Meer wird niemals leer.“

Sicheres Wetter

Das Wetter ist im Mittelmeer im April auch etwas sicherer als in Köln im Februar. Es ist bereits die zweite Reise dieser Art, man kann wohl davon ausgehen, dass das Beispiel Schule macht. Notorische Karnevalsjunkies, für die die Zeit bis zum 11.11. um 11 Uhr 11 regelmäßig zur Wartequal wird können sich dort unbeschwert treffen mit Fans aus der Berliner Karnevalsdiaspora. Unvergessen ist schließlich der Tiefpunkt, an dem kurz nach dem Regierungsumzug die exilierten Bonner in der StäV die Karnevalsmusik über Kopfhörer zu sich nehmen mussten.

Ungestört schunkeln

Das wird auf dem „Jeckliner“ garantiert nicht passieren. Aber vielleicht könnten sich hier ansässige Karnevalsfreunde überlegen, ob sie sich einen solchen Dampfer mal chartern sollten. Ungestört schunkelt es sich doch immer noch am besten. Zum Beispiel in den Weiten des Pazifiks. Da ist nicht so leicht Land in Sicht. Und vielleicht würde ja jemand eine Insel entdecken, auf die man diese ganzen Narreteien exportieren könnte.