Im Rotlichtviertel sammeln sich die Heavy-Metal-Fans

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Kneipen in Holland : Im Labyrinth der Bars
Wolfgang Stelljes
Waagstraat Komplex. Das Goldprüfungsamt von 1635 – ganz modern.
Waagstraat Komplex. Das Goldprüfungsamt von 1635 – ganz modern.Foto: Wolfgang Stelljes

Im Grunde genommen lautet das Motto für einen gelungenen Groningen-Abend: Man genieße zunächst ein anständiges Mahl – auch die fernöstliche Küche ist gut vertreten – und gehe dann von einer Vergnügungsstätte zur nächsten, was erleichtert wird durch die Tatsache, dass nur selten Eintritt erhoben wird. Wer genau weiß, wonach ihm der Sinn steht, auch musikalisch gesehen, kann sich natürlich auch gezielt ins Nachtleben stürzen. Funkfans schätzen das „Café Buckshot“, Jazzfreunde kommen im „De Spieghel“ auf ihre Kosten, Trendsetter oder Menschen, die sich dafür halten, favorisieren das „News Café“ oder das „&zo“.

Ins Rotlichtviertel am Noorderhaven muss, wer härtere Töne mag. In der „Benzinebar“ sammelt sich die Gemeinde der Heavy-Metal-Fans. Früher ging hier das Personal der Innenstadtkneipen nach Dienstschluss noch einen Absacker trinken. Heute sind die Öffnungszeiten deutlich eingeschränkt: Von Sonntag bis Freitag ist Ruhetag. Paul de Boer, der seit über drei Jahrzehnten mit der Kneipe verwachsen ist, steht also nur am Sonnabend hinter der Theke. Kurz vor Mitternacht stellt er das Bier kalt.

Paul de Boer.
Paul de Boer.Foto: Wolfgang Stelljes

Und dann gibt es ja auch immer noch das „Vera“ in der Oosterstraat, der Club für Underground-Musik, früher mit Bands wie U2 und Nirvana. Die alten Plakate schmücken heute noch den Backstage-Bereich. Wer im „Vera“ die Steintreppe zum kleinen Gewölbekeller hinabsteigt, dem schlagen Hitze und oft auch Schweißgeruch entgegen. Um es euphemistisch zu sagen: Hier wird noch ehrliche Rockmusik mit der Hand gemacht. Ein Großteil der Arbeit an Kasse, Garderobe, Bar und Technik wird von Freiwilligen erledigt, rund 200 sollen es sein. Der Eintritt ist ausnahmsweise mal nicht frei, aber für einen Euro bekommt man auch gleich eine Art Monatskarte.

Ähnlich traditionsreich ist das „Huize de Maas“ am Fischmarkt. Ältere Groninger erinnern sich an Orchestermusik und gepflegten Paartanz, aber auch daran, dass spätestens um zwei Uhr Schluss war. Irgendwann wurde der Andrang in der Stadt dann so groß, dass man sich entschloss, die Sperrstunde aufzuheben.

An diesem Donnerstagabend vergnügen sich im „Huize de Maas“ angehende Biomediziner aus aller Herren Länder. Tagsüber haben sie Forschungsergebnisse diskutiert, nun feiern sie ihre Abschiedsfete. Irgendwann, so gegen fünf Uhr vielleicht, werden sie zusammenräumen. Dann macht auch der Türsteher vor dem „Drie Gezusters“ Feierabend. Ein paar Stunden später füllen sich vor der Uni schon wieder die Fahrradständer. Und in der Cafeteria klappen die ersten Studenten ihre Laptops auf.

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