Das Schiff selbst ist der Star der Reise

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Kreuzfahrt nach Südnorwegen : Ganz schön viel Berlin auf dem Meer
Berlin an Bord. Im Hanami by Tim Raue kommt kein Heimweh auf.
Berlin an Bord. Im Hanami by Tim Raue kommt kein Heimweh auf.Foto: Ulrich Schaarschmidt/dpa

Ganz viel Berlin ist natürlich in den Shows, die allesamt in Treptow einstudiert werden. Der jüngste Gag ist ein Hologramm-Theater, in dem Dieter Hallervorden mit seiner Show „Palim Palim“ dreidimensional zu sehen ist, obwohl er bei dieser Reise gar nicht an Bord war. Moderne Technik macht’s möglich. Für eine solche Hologramm-Show flog auch Ute Lemper nach Treptow ein und spielt auf der Bühne sehr schön mit dem nachträglich eingearbeiteten Feuer, während sie Broadway-Hits singt. Unnötig zu sagen, dass die Akustik im Theater selbst an Land ihresgleichen suchen würde und fast nach mehr Klassik-Programmen schreien würde.

Thomas Schmitt-Ott, vielfältig unterwegs in der Berliner Klassik-Szene, hat das Entertainment Center in Treptow aufgebaut und spricht auch beim Theater-Design entscheidend mit.

Die Akustik ist an der munteren Schlagershow fast verschwendet, aber das Musical „Die Zeitreisenden“ mit den verblüffenden Computeranimationen verdient sie definitiv, überrascht auch sonst mit Pfiff und Originalität. Mit dem Kunsthändler Lumas ist ein weiteres Berliner Unternehmen an Bord eines Tui-Schiffs vertreten. Die großen Fotografien schmücken auch das Schiff selbst, man kann sie draußen auf dem Meer sogar mehrwertsteuerfrei kaufen. Und fürs Clubfeeling in der Nacht ist die Abtanzbar zuständig.

Keine Frage, das Schiff selbst ist der Star der Reise. Die kleinen norwegischen Ortschaften, in denen die „Mein Schiff 5“ mit ihren 15 Decks temporär leicht zum größten Haus am Platze wird, haben es schon, was die Auswahl an attraktiven Lokalen betrifft, etwas schwer, da mitzuhalten. Viele Gäste kehren nach den gebuchten Landausflügen gern ganz schnell wieder zurück, um sich am Pool mit einem schönen Eis oder einer frisch gebackenen Waffel zu stärken und es sich auf einer dieser kuscheligen Liegeinseln gemütlich zu machen oder das Treiben an Land aus den Saunen mit ihren riesigen Panoramafenstern zu verfolgen.

Mit 360 Regentagen im Jahr ist die Stadt Bergen besonders hautfreundlich

Dabei hat Stavanger einiges zu bieten, ein Konservenmuseum zum Beispiel, eine Kathedrale mit Barockschnitzereien, ein sehr interessantes Maritimes Museum und einen jahrhundertealten Feuerwachtturm, von dem man aus herrliche Bilder vom Schiff machen kann. Die Stadt Bergen hat eine spektakuläre neue Bar aus Eis mit eingraviertem Munch-Gemälde, einem äußerst rutschigen Tresen und wirklich kalten Getränken. Mit 360 Regentagen im Jahr ist sie außerdem besonders hautfreundlich.

Auf dem Fischmarkt in Bergen wird neben den verschiedensten Kaviarsorten auch Walwurst verkauft. Der durch das Faltblatt des Tages auf dem Schiff bereits aufgeklärte Gast weiß allerdings, dass er davon Abstand halten soll, weil aus Artschutzerhaltenden und gesundheitlichen Gründen vom Verzehr dringend abzuraten sei.

Haugesund hat auf jeden Fall einen Bürgermeister mit touristischem Ehrgeiz. Von dem gibt’s kostenlose Shuttlebusse ins Ortszentrum und bei der Rückkehr aufs Schiff ein Diplom, dass man dort war.

Interessant ist die ausfaltbare Seebrücke im Geirangerfjord, die bei der Einfahrt noch eingeklappt an Land liegt, dann aber bis ans Schiff gefahren wird, so dass die Gäste bequem übers Wasser an Land laufen können, während andere Schiffe in der Umgebung altmodisch tendern müssen.

Hier erreicht man über eine steile Treppe längs des Wasserfalls ein interessantes Museum mit Geschichten über das Leben im Fjord. Bei der Ausfahrt dreht der Kapitän das riesige Schiff einmal um sich selbst, um die besten Sichten auf die Wasserfälle zu ermöglichen. Der Mann kann sicher auch gut einparken.

Die letzte Station, Kopenhagen, hat natürlich viel zu bieten, Landausflüge führen in königliche Schlösser oder mit den bordeigenen Fahrrädern zur Stadterkundung. Aber etliche Gäste sind hier scharf aufs Shoppen und kehren mit schicken Tüten beladen aufs Schiff zurück. Dort gibt es auch Shops, sogar mit erstaunlich moderaten Preisen von Anbietern wie Brax, S'Oliver und Codello. Angesichts der superluxuriösen Müllverbrennungsanlage wirkt überraschend reell.

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