Einzig die "flüssige Sonne" steht dem deutschen Perfektionsdrang im Weg

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Kreuzfahrt nach Südnorwegen : Ganz schön viel Berlin auf dem Meer

Ach ja, wer sich unter einem Umweltoffizier einen griesgrämigen Endfünfziger vorstellt, der den Gästen die Plastikfläschchen mit Lotion und die Duschhauben streitig macht, kann eine Überraschung erleben, wenn er mal auf Milos Grgic trifft. Der 29-jährige gebürtige Serbe sieht nicht nur blendend aus, er ist auch supergroßzügig.

Auf keinen Fall will er Gästen, die schließlich viel Geld bezahlt haben, die Urlaubsfreuden durch Vorschriften einschränken. „Wenn jemand zwölf Stunden duschen möchte, sollte er nur auf seine Haut aufpassen“, sagt er. Verrät dann aber auch, dass die Duschköpfe so entworfen sind, dass sie weniger Wasser verbrauchen als normale, was man freilich gar nicht merkt.

Er kann erklären, dass Essensreste erst getrocknet und dann verbrannt werden. Dass der Container mit Schuhen nicht weggeworfen wird, weil sich in manchen Häfen die Arbeiter drüber freuen. Und natürlich weiß er, wie die Abwässer an Bord über die gesetzlichen Vorschriften hinaus so gereinigt werden, dass die Meere nicht belastet werden. Am Anfang, als er direkt von der Uni weg engagiert wurde, hat er sich auch nicht vorstellen können, dass all dies möglich ist. Heute träumt er davon, dass Glühbirnen, die kaputt gehen, auch an Bord repariert werden, weil das ganz einfach und ebenfalls umweltschonend wäre.

Trampoline statt Tischtennisplatte

Er weiß auch, dass es Häfen gibt, die mit einer so ausgefeilten Mülltrennung nicht viel anfangen können. Dann wartet man halt bis zum nächsten Hafen. Und wieviel Mitarbeiter hat sein Team? Da antwortet er prompt: „Alle 1000 Crew-Mitglieder an Bord. Jeder trennt seinen eigenen Müll.“ Natürlich ist „Mein Schiff 5“ dem Ideal eines papierlosen Schiffs ziemlich nahe. Überall gibt es Touchscreens, an denen sich Gäste aller Altersklassen Infos über Bordprogramme und Speiseangebote abrufen.

Gibt es auch etwas, was dem urdeutschen Perfektionsdrang im Wege steht? Naja, der Regen, aber der wird an Bord „flüssige Sonne“ genannt und stört kaum. In Haugesund war die Gangway zu groß, das klang nach einem typischen Problem, das allerdings in zehn Minuten behoben war. Und dann war da eben noch der Herr, der den Gastgeber Sebastian nach der Tischtennisplatte fragte. „Haben wir nicht“, sagte er und gab zu: „Da fragen öfter Leute nach.“ Trainer Tizian immerhin wusste, dass es doch eine Platte an Bord gibt, allerdings auf dem Crewdeck, wo die Gäste nicht hindürfen. Es habe aber sowieso noch keiner Zeit gehabt, sie aufzubauen.

Dabei gäbe es, wie bei diesem Schiff nicht anders zu erwarten, einen absolut perfekten Ort: die überdachte Lounge-Landschaft auf Deck 14, die angesichts der vielen supergemütlichen Liegeinseln temporär vielleicht entbehrlich wäre. Angesichts der knapp 600 Millionen Euro, die das Schiff gekostet hat, wäre die Anschaffung einer Gästeplatte vielleicht noch im Rahmen. Oder man tauscht mit der Crew die schicken Trampoline aus dem Fitnesscenter für ein paar Tage gegen die Platte. Müsste man nur das Innovationsteam mal auf Betriebsausflug schicken. Dann merkt es doch niemand.

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