Die Ruhe der Natur scheint sich auf die Passagiere zu übertragen

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Kreuzfahrt zum Nordkap : Die Freude an der Dämmerung
Wo sich alle Touristen fotografieren lassen: Weltkugel am Nordkap
Wo sich alle Touristen fotografieren lassen: Weltkugel am NordkapFoto: Hella Kaiser

Von Hammerfest bekommt niemand etwas mit. Dort legt die „Midnatsol“ um 5:15 Uhr an – und eine Dreiviertelstunde später wieder ab. Außer ein paar Lichtern am Kai hätte man eh nichts gesehen. Anders in Havøysund, das um 8:45 Uhr erreicht wird. Wir sehen einige bunt angestrichene Holzhäuser, dick eingemummelte Menschen, Kartons und Paletten, die vom Schiff getragen werden.

Manche Passagiere nutzen die halbe Stunde Aufenthalt, um von Bord zu gehen. Sie eilen davon, um dann jene Position zu finden, von der sich die „Midnatsol“ am besten fotografieren lässt. Vielleicht hat Havøysund im Sommer pittoreske Ecken, im Winter verbergen sie sich. Wie leben die Menschen in diesem Ort? Macht sie der Winter trübsinnig, feiern sie Feste, sind sie in den Süden ausgebüxt? Niemand da, der die Fragen beantworten könnte.

Zwei Stunden später stoppt das Schiff in Honnigsvag. Hier bleibt kein Passagier an Bord. Alle haben offenbar den Ausflug zum 44 Kilometer entfernten Nordkap gebucht. Mehrere Busse schlängeln sich daher hintereinander auf der schmalen Straße. Der Asphalt schlummert unter einer festgefrorenen Schneedecke. Kein Wölkchen am bläulich-rosa schimmernden Himmel.

Das Wichtigste: den Stempel für die Postkarten abholen

Am Plateau angekommen, hasten die Menschen zum Denkmal mit der Weltkugel. 1978 wurde es hier aufgestellt. Und alle wollen darunter fotografiert werden. Nicht auszudenken, wie es hier im Sommer sein mag. Die beiden – im Winter geschlossenen – Hotels in Honnigsvag sind für die kommende Saison schon ausgebucht.

Weil es so stürmt, fliehen die meisten schnell in die Nordkap-Halle. In dem riesigen Bau gibt’s eine Multivisions-Show über die Region im Wechsel der Jahreszeiten, die nördlichste ökumenische Kapelle und – natürlich – ein Café. Das Wichtigste: den berühmten Stempel für die Postkarten abholen.

Als die „Midnatsol“ um 14:45 Uhr ablegt, schimmern die Lichter des Ortes schon wieder fast im Dunkeln. Noch ein paar Stunden bis zum Dinner. Die Ruhe der Natur scheint sich auf die Passagiere zu übertragen. Selbst die unruhigen Geister scheinen sich in ihr Schicksal zu fügen.

Nur gegen 21 Uhr wird’s noch mal munter: „An Backbord sehen wir gleich die MS „Lofoten“, Baujahr 1964, das älteste Schiff der Hurtigrutenlinie,“ verkündet der Kapitän per Lautsprecheranlage. Viele eilen deshalb an Deck. Und tatsächlich, da taucht das kleine Postschiff auf und gleitet ebenso schnell vorüber. Die „Midnatsol“ tutet laut, die „Lofoten“ btutet, etwas leiser, zurück. Rührend.

Die Reise endet am nächsten Morgen in Kirkenes. Das Gepäck der meisten Passagiere wird in Busse verladen, die gleich zum Flughafen fahren. Lieber würde man auf der „Midnatsol“ bleiben. Fünf Tage braucht sie bis nach Bergen. Erholung pur.

Zwölf Tage Bergen-Kirkenes und zurück ab 1390 Euro. Buchung im Reisebüro oder bei Hurtigruten, Hamburg, Telefon: 040/87 40 83 58.

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