Elf Mal zwischen Colorado und New Mexico

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Colorado : Manchmal steigt ein Goldsucher ein
Juwel für jeden Pufferküsser
Juwel für jeden PufferküsserFoto: Axel Baumann

Das zweite Erbe William J. Palmers ist die Cumbres & Toltec Scenic Railroad zwischen Antonito in Colorado und Chama in New Mexico. In den 1950er Jahren erlebte die Bahn noch einmal einen Boom aufgrund von Öl- und Gasfunden. Seit 1970 dient sie als reine Touristenattraktion. Im Depot in Chama schmiert und rangiert Mechaniker Thomas Garcia Lok 489 für ihren rund sechsstündigen Einsatz Richtung Antonito.

„Allein um den 3000 Meter hohen Cumbres Pass, den höchsten Eisenbahnpass in Nordamerika, zu erklimmen, benötigt sie drei Tonnen Kohle und 13 000 Liter Wasser“, erklärt er den staunenden Passagieren. „Das ist von hier ein Höhenunterschied von 600 Metern.“ Nach dieser Tour durch dichten Nadelwald geht es hinab ins weite Tal des Los-Pinos-Flusses mit saftigen Wiesen, einem ausgedienten Wassertank und Ferienhütten. Espen und Pinien wiegen sich im Wind.

Über Brücken und Viadukte schnauft die Bahn weiter talwärts und erreicht den Toltec Creek Canyon. Exakt elf Mal passiert der Zug die Grenze zwischen Colorado und New Mexico. Je näher er dem Zielort Antonito kommt, desto spärlicher wird der Baumbestand. Schließlich bedeckt nur noch gelb blühender Wüstensalbei die braune Steppe bis zum Horizont.

Railroad Museum in Golden zeigt rund 100 Exponate

Keine Palmer-Konstruktion, aber nicht minder spektakulär ist die Georgetown Loop Railroad 70 Kilometer westlich von Denver. Dicke, graue Wolken rollen sich an der Ostseite der Rocky Mountains die Berge hinab. Es regnet Bindfäden in Silver Plume, als die ölbefeuerte Shay-Dampflok an diesem Morgen zur ersten Fahrt aufbricht. Die Georgetown Loop Railroad verbindet die Orte Silver Plume und Georgetown auf einer sieben Kilometer kurzen, aber serpentinenreichen Route mit starkem Gefälle durch Täler und Schluchten.

Nachdem um 1860 das Goldfieber nachließ, wurde Silber entdeckt und die Bahnlinie vier Jahre später eröffnet. Georgetown war die „Silver Queen of Colorado“. Wenn es nicht gerade überflutet ist, können Fahrgäste auf halber Strecke noch das frühere Bergwerk „Lebanon“ besichtigen. Doch das eigentliche Glanzstück ist die 1984 rekonstruierte Stahlbrücke, die über den Clear Creek führt. Die Bahn trägt übrigens den Namen „Loop“ (Schlinge), weil die Strecke viele Windungen aufweist.

Einen umfassenden Überblick über Colorados Eisenbahngeschichte von 1871 bis heute erhält der Interessierte im 1959 eröffneten Railroad Museum in Golden vor den Toren der Hauptstadt. „Alle Schmalspur- und Normalspurloks sowie -waggons, die wir zeigen, sind einmal durch Colorado gefahren. Rund 100 Exponate haben wir ausgestellt“, sagt Museumsdirektor Donald Tallman.

Wahre Pufferküsser stoppen auf dem Rückweg zum Flughafen Denver bei „Caboose Hobbies“. Der Modellbahnladen, 1938 gegründet, bezeichnet sich als größten der Welt. Loks, Waggons, Schienen, Zubehör – rund 100 000 Teile stapeln sich in den Regalen. „Natürlich haben wir die drei Schmalspurzüge in allen Größen auf Lager“, sagt ein Verkäufer. Und so landet nach der Reise ein Stück amerikanische Eisenbahngeschichte in einer deutschen Wohnzimmervitrine.

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