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Österreich : Da sind Tage, blank vor Glück
Frisch gezapft. Gastwirt Schiffner hat 150 Biersorten auf seiner Karte. Wer zum Stifter-Denkmal am Plöckenstein wandert, sollte lieber Wasser trinken. Fotos: Kaiser, Böhmerwald Tourismus
Frisch gezapft. Gastwirt Schiffner hat 150 Biersorten auf seiner Karte. Wer zum Stifter-Denkmal am Plöckenstein wandert, sollte...

Im Kloster selbst wird gebetet, meditiert und gut gegessen. Gibt’s Alkoholisches dazu? „Natürlich“, sagt der Subprior lächelnd, „wir brauen ja unser eigenes Bier.“ Seit mehr als 430 Jahren ist das so. Bis zu 25 000 Hektoliter sind es inzwischen täglich, die in der Stiftsbrauerei abgefüllt werden. Zehn verschiedene Sorten, darunter ein Bio-Roggenbier, „Abschlag“, das Bier für Golfer und natürlich ein Stifter-Bier.

Bier gehört zum Böhmerwald wie Wein zur Toskana. Für beides gilt: Schluck für Schluck genießen. Wie es funktioniert, lernt man bei Karl Schiffner. Der Mann ist Biersommelier, einer von 400 weltweit. In seinem Gasthaus in Aigen kann man ein fünfgängiges Menü mit Bierbegleitung bestellen. So wird zur Gorgonzolabirne mit Prosciutto das leichte „Bismarck“ ausgeschenkt und zum Forellenfilet auf Safranrisotto Schlägl Bio-Roggen. Zum Topfendessert wird ein Trappistenbier eingegossen: 150 Biersorten lagern im Gasthauskeller.

Auch Adalbert Stifter, so heißt es, habe Bier geschätzt. Dazu Taube, Wacholderdrossel und eine Böhmerwald-Forelle. So eine, wie sie nach der köstlichen Sieben-Kräuter-Suppe im Adalbert-Stifter- Hof in Schwarzenberg serviert wird. Im alten Schulhaus des Ortes haben sie dem Malerpoeten ein Museum eingerichtet. Man erfährt dort, dass es in Deutschland 400 Orte mit einer „Stiftergasse“ gibt, Bücher und Kopien seiner Bilder sind ausgestellt. Als „Musik für das Auge“, hat er seine Landschaftsmalereien einst bezeichnet.

Wenn es um seine Heimat ging – „Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend“ – war Stifter Romantiker. In seiner Tätigkeit als Schulinspektor zeigte er sich als kritischer Realist. Über zu kleine und feuchte Klassenzimmer schimpfte er und wetterte: „Man sollte nicht glauben, daß es möglich wäre, daß Gemeinden ihre eigenen Kinder in solchen Räumen zusammenpferchen.“

Stifter, in späteren Jahren von einem Nervenleiden geplagt, fuhr zur Kur an einen renommierten Ort. „Karlsbad ist sehr reizend“, schrieb er von dort. „Aber mit der Großartigkeit und erhabenen Einsamkeit meines bayerischen Waldes und Dreisesselberges ist es auf Himmelweite nicht vergleichbar“, schrieb er im Mai 1865 an einen Freund. Von Schwarzenberg kann man hinaufsehen zum Dreisesselberg im Bayerischen, zum steinernen Meer, einer bizarren Felsgruppe östlich davon und zum Plöckenstein. Ein Lieblingsplatz von Stifter. Von hier aus konnte er hinunterblicken zum Plöckensteiner See, der ihm wie eine „versteinerte Träne“ schien. 1877, zu seinem zehnjährigen Todestag, hat man Adalbert Stifter hier ein Denkmal gesetzt, einen gut 14 Meter hohen Obelisken.

Der Wanderweg dorthin führt durch den tschechischen Sumava-Nationalpark. Auf Deutsch bedeutet Sumava die Rauschende. Doch hier oben rauscht kaum noch etwas. Es ist ein Caspar-David-Friedrich-Wald. Die meisten Bäume ragen blattlos wie fahle Mahnmale auf, der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet. Vom Nationalpark Bayerischer Wald hat er sich durchgefressen nach Österreich und Tschechien. Im Bayerischen Nationalpark war man überzeugt, dass die Natur sich selber helfen müsse – und könne. „Ein Schmarrn“, sagen die Österreicher. Schneisen hätte man schlagen müssen, um die Käfer zu stoppen.

Die Experten vom Stift Schlägl roden Schutzräume von 500 Metern Breite. Und siehe – es hilft. Der Stiftswald mit Fichten, Buchen und Tannen steht so prachtvoll da wie in Stifters Schilderungen. „Die Tschechen mit ihrem Nationalpark können einem leidtun“, sagt der Mühlviertler Förster Manfred Hafner.

Unterhalb des Plöckensteins aber ist es noch zu durchwandern, „das Dunkel des Waldes“, wie es Stifter sah. In ewig langen Schachtelsätzen hat er seine Heimatliebe zu Papier gebracht. Beschreibt „das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels“. Kann man Stifter heute noch lesen? „Natürlich“, sagt der Stifter-Kenner Ferdinand Stiller, „die Lektüre beruhigt ungemein." Aber um damit beginnen zu können, müsse man selbst innerlich „sehr ruhig“ sein.

Da hilft der Böhmerwald.

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