Man kommt hier mit sehr wenig aus

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Schweden mal anders : Mittsommer kann gefährlich sein
Juristin mit bösen Fantasien. In Schweden wurden Viveca Stens Krimis auch verfilmt.
Juristin mit bösen Fantasien. In Schweden wurden Viveca Stens Krimis auch verfilmt.Foto: Elisabeth Binder

Erwähnt wurde die Sandinsel zum ersten Mal 1282, als der damalige König sie einem Nonnenkloster zum Geschenk machte. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde ihr Potenzial als Lotseninsel erkannt. Die Schiffe, die übers offene Meer auch aus Deutschland kamen, warteten im Hafen von Sandhamn, bevor sie weitergelotst werden konnten nach Stockholm. Mit einer regelmäßigen Fährverbindung zwischen Stockholm und der Sandinsel mit den puderigen Stränden reisten Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Sommergäste an.

Unerhörtes passierte 1903. Da kam der König zur Eröffnung des Klubhauses der Royal Swedish Yachting Society, ein ungewohnt glamouröses Ereignis auf dem Eiland. Die meisten Bewohner waren arm. Erst in den 50er Jahren hatten die Haushalte auf der Insel fließendes Wasser. Und noch mal ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis Viveca Stens Mann rund um den Mittsommer die Gucci-Touristen ausmachte, die prompt Eingang in die Kriminalromane fanden. Das sind Besucher, die im Sommer mit ihren Booten anlegen und viel zu schick angezogen sind für die Schärenwelt.

Eigentlich kommt man hier mit sehr wenig aus. Wer vom Hafen kommend am Hotel vorbeigeht, die Minigolfanlage hinter sich lässt, erreicht eine Erhebung am Meer, den „Tanzboden“. Hier legen viele junge Menschen im Sommer mit Ruderbooten an und tanzen die leuchtenden Nächte hindurch. Noch ein Stück weiter, schon steht der Besucher mitten im Wald. „Hier denkt man doch gar nicht, dass man auf einer Insel ist“, ruft die Autorin stolz, die hier schon richtig unheimliche Szenen angesiedelt hat.

Derzeit leben im Winter nur 120 Menschen permanent auf der Insel. Im Sommer wächst die Zahl der Einwohner auf 3000, hinzu kommen rund 100 000 Touristen. An Mittsommer sollte man Sandhamn besser meiden. „Dann wollen wirklich alle hierher“, sagt Johann, der Kapitän der „Isak“. „Wir könnten dann 24 Stunden zwischen Stockholm und Sandhamn hin- und herfahren.“ Auch die Königsfamilie kommt zu herausragenden Events und ja, die Königin kauft auch schon mal Eiscreme im Kaufmannsladen. Von Mitte Juni bis Mitte August dauert der gloriose Sommer. Dann zieht wieder diese unwahrscheinliche Stille ein, die der Fantasie weiten Raum gibt.

Die Insel hat durch die Bücher selbst international an Bekanntheit gewonnen. Das schneeweiße Missionshaus zum Beispiel öffnet im Sommer als Bed and Breakfast. Und es hat schon Gäste gegeben, die genau in dem Zimmer logieren wollten, in dem in „Tödlicher Mittsommer“ Kicki Berggrens Leiche gefunden wurde. Nächster Stopp des Rundgangs: die kleine romantische Kirche. Nein, Viveca Sten hat leider, leider nicht hier geheiratet, fragt aber ihre Kinder immer wieder, ob sie nicht… „Mama, ich bin doch erst 14“, entgegnet ihr jüngster Sohn genervt.