Ein Hauch von Pferdegeruch gehört dazu

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Wien : Ein, zwei Strähnen Lässigkeit
Tanz in Perfektion. Alle bleiben exakt in ihren Reihen.
Tanz in Perfektion. Alle bleiben exakt in ihren Reihen.Foto: Roland Schlager/p-a/dpa

3000 Gäste streben am Abend in die Hofreitschule. Sommer- und Winterreitschule und die Stallburg sind die zentralen Schauplätze des Geschehens. Obwohl den ganzen Tag über gelüftet wurde, zeigt sich schnell, dass die Fête Impériale tatsächlich der heißeste Ball der Stadt ist. Ein Teil immerhin findet unter freiem Himmel statt; die dekorativen Strohballen, auf denen später vom Tanzen Erschöpfte Platz nehmen, gehören genauso dazu wie der kaum wahrnehmbare Pferdegeruch und das Schnauben vom Band. Es mischt sich mit dem der Pferde, die die Gäste im Fiaker zum Eingang bringen.

Dort ist eine Menge zu sehen. Wer es geschafft hat, aus dem Fiaker zu klettern, ohne sich auf den Saum des Kleids zu treten oder aufs Gesicht zu fallen, wird mit einem Glas Sekt belohnt. Obwohl mir das Manöver nach eigener Einschätzung mit einiger Anmut gelungen ist, wenden sich die am roten Teppich lagernden Fotografen gelangweilt ab. Bald jedoch erscheinen lohnendere Gäste: Fußballprofis und Olympiateilnehmer, in den Fernsehdschungel ausgewilderte Pseudomodels, schließlich Maximilian Schell: ein ganz schweres Kaliber. Unter heftigem Blitzlichtgewitter verschwinden er und seine schöne junge Begleiterin in Richtung Winterreitschule.

Nun heißt es, die Zeit bis zur festlichen Eröffnung durch das Jungdamen- und Jungherrenkomitee totzuschlagen: am Glas nippen, ein wenig Luft ins Gesicht fächeln, langsam flanieren, unnötige Anstrengungen vermeiden. Als ein Kinderballett mit bunten Steckenpferden aufgetreten ist, eine Opernsängerin die Stimme erhoben hat und die jungen Damen und Herren demonstriert haben, wie man richtig gut tanzt, darf endlich das Publikum aufs Parkett: alles Walzer. Also: linke Schulter zur Saalmitte, stets in Richtung Wand drehen, Vor-Seit-Schluss, Rück- Seit-Schluss. So war es in der Tanzstunde.

Beim Sommerball zeigt sich, was man immer geahnt hatte: Im Leben geht es rauer zu als in der Schule. Mein Wiener Tänzer fegt durch den Saal wie ein Wirbelsturm. Einzig seiner Routine – und womöglich auch seiner Geschwindigkeit – ist zu verdanken, dass es nicht zu schweren Karambolagen kommt. Dennoch fürchte ich nach den ersten rasanten Drehungen ums nackte Leben. Bloß nicht loslassen, sonst würde ich der Fliehkraft folgend wohl in die Kapelle geschleudert.

Und: nur keinen Schuh verlieren. Der würde vermutlich erst Tage später entdeckt werden, weit weg zwischen ein paar Strohballen.

Mit Sorge denke ich nun an die mitternächtliche Quadrille und die wüsten Quadrillenstörer, vor denen Schäfer-Elmayer gewarnt hatte. Aber zunächst ist es Zeit für eine Pause. In der Stallburg sind Tische für jene gedeckt, die zwischendurch sitzend ein paar Würstchen essen möchten. Der Preis für einen solchen Platz samt Ballkarte ist mit 280 Euro allerdings kein wirkliches Schnäppchen. Günstiger ist die Flanierkarte, die zum Sitzen nur auf Strohballen berechtigt und 120 Euro kostet. Wer schon am Cocktailempfang unter der Michaeler-Kuppel teilnehmen möchte, ist mit 180 Euro dabei, darf dafür aber auch noch zur Eröffnung in die Winterreitschule.