Zurücklehnen und das Spektakel genießen

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Wunder der Natur : Aurora trägt dezentes Rouge
Fischerort Sfântu Gheorghe, Standort für Touristen, die das Delta besuchen.
Fischerort Sfântu Gheorghe, Standort für Touristen, die das Delta besuchen.Foto: Helge Bendl

Am Wochenende düst Bukarests Hautevolee im Speedboot durch die Kanäle, in denen theoretisch Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, an die sich aber kaum jemand hält. Die seltenen Störe werden, obwohl verboten, von Anglern aus dem Wasser gefischt. Und selbst in Schutzperioden liegen in den Seen Netze aus: Der Fisch wird illegal in die Städte verkauft. Niemand scheint einzuschreiten. In den Dörfern verfallen die traditionellen Holzhäuser, während ein paar Meter weiter Pensionen aus dem Boden schießen – mehrstöckig und aus Beton.

Doch es geht auch anders. George Panait konstruierte ein Hausboot, die „Kingfisher“, mit großen Decks und neun kleinen Kabinen. Bei einer einwöchigen Tour durchs Delta schleppt er das schnucklige Hotelschiff an drei einsame Liegeplätze: So lassen sich die Sehenswürdigkeiten dann ohne Zeitdruck mit einem kleinen Kahn erreichen, der kaum Benzin verbraucht und wenig Lärm verursacht. Bei vielen Angeltouren gilt das Prinzip „Fangen und Freilassen“, und auch sonst will er möglichst schonend umgehen mit seinem neuen Zuhause: „Wenn wir die Natur des Deltas erhalten, bleibt die Region einzigartig. Einen Freizeitpark findet man auch anderswo.“

Um sich hier zurechtzufinden, musste der 56-Jährige das Vertrauen der alten Leute gewinnen, erzählt der Guide bei einer Exkursion. „Manche Seen liegen so versteckt, dass man sie einfach nicht findet. Ich habe mich oft mit Fischern betrunken, bis sie mir die schönsten Plätze verraten haben.“ Als das Wasser zu seicht wird für den Außenbordmotor, stochert der Guide per Paddel weiter. Der Kahn schiebt sich durch Seerosenfelder und dickes Wasserpflanzenbraun, vorbei an mächtigen Weiden und hohem Schilf.

Insbesondere Vogelfreunde kommen auf ihre Kosten: „In einer Woche sehen wir 180 Arten – wenn es schlecht läuft. Im Frühling und Herbst sind es regelmäßig über 200.“ Enten und Reiher, Gänse und Schwäne sind auf Nahrungssuche; Kormorane sitzen im Geäst eines abgestorbenen Baumes. Und wenn man eine Weile regungs- und lautlos sitzt, blitzt das bunte Gefieder von Eisvögeln und Blauracken durchs dichte Grün. Dann gewähren auch die Könige des Deltas eine Audienz.

Pelikane sind mit ihrer Flügelspannweite von fast drei Metern nicht nur elegante Segler. Sie jagen im Team und treiben die Fische dabei kollektiv in die Enge, um sie dann mit ihren mächtigen Schnäbeln aus dem Wasser zu schöpfen. „Hier leben mehr als 2500 Brutpaare – nirgendwo sonst in Europa findet man so viele Rosapelikane“, sagt Vogelexperte Panait. Mit einem Lächeln lehnt er sich zurück, um das Spektakel zu genießen: Im Donaudelta schenkt einem Mutter Natur nur die besten Erinnerungen.