Auf Schritt und Tritt mit Lincoln

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Reisen ohne Auto : USA für Aussteiger
Wer das Auto gegen den Ballon tauscht, erweitert den Horizont – buchstäblich.
Wer das Auto gegen den Ballon tauscht, erweitert den Horizont – buchstäblich.Foto:promo

In der Kleinstadt Springfield, 250 Meilen südlich von Galena, aber funktioniert das mit dem Spaziergang bestens. Diese Art der Fortbewegung passt zu der Zeit Abraham Lincolns, dem die Stadt ihre Berühmtheit verdankt. Die Familie des ehemaligen Präsidenten grüßt gleich am Eingang des Lincoln-Museums: Vater, Mutter und drei Söhne, alle schön zurechtgemacht, als würden sie gleich zum sonntäglichen Gottesdienst aufbrechen.

Der Weg Lincolns lässt sich in Springfield nachlaufen. Schließlich wohnte der bis heute populärste Präsident der USA, der durch seinen Sieg im Sezessionskrieg die Vereinigten Staaten zusammenhielt und die Sklaverei im Land offiziell beendete, lange Zeit in der Hauptstadt des US-Staates Illinois. Hier arbeitete er als Anwalt und saß im Repräsentantenhaus, bevor er in Washington, D.C., große Karriere machte.

Einen Einblick in das präsidiale Familienleben erhält man im früheren Wohnhaus. Viel Fantasie benötigt es nicht, sich vorzustellen, wie es wohl zu seinen Lebzeiten hier ausgesehen haben muss. Die komplette Straße, in der die Lincolns wohnten, ist nach alten Vorlagen wieder aufgebaut worden. Nachdem man das Haus gesehen hat, das Arbeitszimmer mit dem originalen Schreibtisch, die Küche, die winzigen Schlafzimmer der Kinder, und sich dann die schmale Treppe hinuntergekämpft hat, lohnt ein Spaziergang durch das Viertel und damit durch das 19. Jahrhundert. Autos würden hier nur stören.

Ein Boot pflügt sich mitten durch Chicagos Zentrum

Als Lincoln noch lebte, profitierte die Region im Mittleren Westen von der Erfindung der Eisenbahn. Wie Chicago, wo seit 1923 eine regelmäßige „Auto Show“ stattfindet, richtig groß wurde, hat der Präsident nicht mehr mitbekommen. Doch sich heute mit dem Auto durch die Stadt zu bewegen ist angesichts des Verkehrs eine Qual.

Und es gibt eine viel bessere Alternative: ein Boot, das sich mitten durch Chicagos Zentrum pflügt. Vorbei an allen Prachtbauten und Wolkenkratzern wie dem doppelzylindrigen The Marina oder dem einer Champagnerflasche nachempfundenen Carbide & Carbon Building.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Chicago das höchste Hochhaus der Welt sein Eigen nannte. Inzwischen hat Dubai zwar alle Rekorde gebrochen, aber der Willis Tower, der vielen wahrscheinlich immer noch unter seinem alten Namen Sears Tower bekannt ist, gilt weiterhin als höchster Punkt Chicagos. Knapp gefolgt vom neuen Trump Tower, der allerdings nicht annähernd so beliebt ist.

Zur Vielfalt der Stadt trägt die Architektur einen großen Teil bei. Moderne Hochbauten stehen hier neben Art-Deco-Gebäuden und einem alten Wasserturm inklusive Pumpstation aus den 1870er Jahren. So wirkt alles ein bisschen improvisiert, jedenfalls nicht durchgeplant.

Das passt zu Chicago. Fragt man Menschen, die hier leben, was sie so besonders macht, fallen die Antworten immer ähnlich aus. Man sei freundlicher, bodenständiger und nehme die Dinge ein bisschen gelassener als etwa die New Yorker. Beinahe zwei Stunden dauert die Bootstour.

Der spektakulärste Ausblick bietet sich jedoch erst am Abend. Treffpunkt ist der Navy-Pier gleich beim Riesenrad. Von dort fährt eine Yacht raus auf den Lake Michigan. Von Deck aus sieht man die goldene Sonne hinter den Hochhäusern versinken. Kein Auto hätte einen hierher bringen können.