Rettung für das Felsenkänguru : Australien lässt tonnenweise Karotten aus Hubschraubern abwerfen

Die Buschfeuer in Australien haben enorme Auswirkungen auf die Tierwelt. Bedrohten Kängurus soll eine ungewöhnliche Aktion helfen.

In New South Wales werden für Kängurus Karotten und Süßkartoffeln abgeworfen.
In New South Wales werden für Kängurus Karotten und Süßkartoffeln abgeworfen.Foto: NSW DPIE Environment, Energy and Science/Handout via REUTERS

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Die hat jetzt das Umweltministerium in der australischen Region New South Wales ergriffen, um das Leben von Tieren zu retten, deren Lebensraum durch die Buschfeuer zerstört wurde. In den vergangenen Tagen warfen Hubschrauber in der als "Operation Felsenkänguru" bezeichneten Aktion laut Aussage des zuständigen Ministers Matt Kean tausende Kilogramm Gemüse ab, vor allem Karotten und Süßkartoffeln.

Die Feuer, die in Australien seit Wochen wüten, zerstören die Nahrungsgrundlage vieler Tiere, unter anderem auch der Kängurus. Der WWF hatte das Felsenkänguru davor als besonders bedroht eingestuft.

Wegen der verheerenden Buschfeuer in Australien sind nach jüngsten Expertenschätzungen mindestens eine Milliarde Tiere ums Leben gekommen. Alleine im Bundesstaat New South Wales an der Ostküste seien mehr als 800 Millionen Säugetiere wie Koalas und Kängurus sowie Reptilien und Vögel getötet worden, sagte Chris Dickman, Ökologe und Professor an der Universität Sydney. Allein auf der Känguru-Insel im Süden des Landes wurden bislang mehr als 32.000 tote Schafe gezählt.

Viele der Tiere seien wahrscheinlich direkt durch die Feuer getötet worden, andere möglicherweise durch Mangel an Nahrung oder andere brandbedingte Umstände. Die Schätzung basiert auf einem Bericht der Tierschutzorganisation WWF von 2007 mit Zahlen zur Dichte der in der Wildnis lebenden Säugetiere (ausgenommen Fledermäuse), Reptilien und Vögel im Staat New South Wales.

Nicht mitgezählt wurden demnach Frösche, Insekten und andere wirbellose Tiere. Bei den Zahlen handele es sich um sehr vorsichtige Schätzungen, die tatsächliche Anzahl der toten Tiere dürfte deutlich höher liegen, sagte Dickman.

Ein Felsenkänguru vor einem Berg Karotten.
Ein Felsenkänguru vor einem Berg Karotten.Foto: NSW DPIE Environment, Energy and Science/Handout via REUTERS

Die zahlreichen Buschfeuer an der Ost- und Westküste des Kontinents haben mittlerweile mehr als 10,7 Millionen Hektar Land zerstört. Und im Südosten des Kontinents bildete sich ein neues „Megafeuer“. Ein anderer Riesenbrand ist aber seit Sonntag unter Kontrolle.

Zahlen und Fakten zu den Bränden in Australien:

  • Durch die Brände in Australien sind bislang mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag starb wieder ein Feuerwehrmann
  • Die Flammen zerstörten bereits eine Fläche mehr als zehn Millionen Hektar, was mehr ist, als die Fläche von Bayern und Baden-Württemberg zusammen
  • Mehr als 2000 Häuser wurden zerstört.
  • Einer Studie der Universität Sydney zufolge kamen außerdem schätzungsweise mehr als eine Milliarde Säugetiere, Vögel und Reptilien durch die Feuer um.
  • Rund 200.000 ehrenamtliche Feuerwehrmänner und -frauen kämpfen gegen die Brände auf dem Kontinent.
  • Bilder der Nasa zeigen, wie der Rauch 17 Kilometer in die Atmosphäre steigt

Einen symbolischen Dank an die Einsatzkräfte gab es in Sydney: Auf die großen Segel des berühmten Opernhauses wurden als Zeichen der Solidarität Bilder von Feuerwehrleuten projiziert.

An den Grenzen der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria vereinten sich in der Nacht zum Samstag drei Buschfeuer zu einem „Megabrand“ mit einer Fläche von 600.000 Hektar. Das entspricht etwa einem Drittel der Größe von Rheinland-Pfalz.

[Mehr zum Thema: Bedrohlicher als der Klimawandel – das Verschwinden der Arten ist die Krise des Jahrhunderts]

In einigen Gebieten hatten die Temperaturen zuvor 44 Grad erreicht. Eine gute Nachricht kam aus der Region um Gospers Mountain nordwestlich von Sydney: Dort wurde ein ähnlich großer Riesenbrand eingedämmt - nach zehn Wochen.

Premier in Australien spricht auf einmal doch von Klimawandel

Auch wenn die Flammen vielerorts weiter loderten - immerhin erlaubte das Wetter den erschöpften Helfern eine gewisse Atempause. In Victoria und New South Wales wurde es kühler. Es regnete, und der Wind ließ nach.

Der buchstäblich unter Feuer stehende australische Premier Scott Morrison sagte am Wochenende, er sehe nun ein, dass der Klimawandel Auswirkungen habe und für längere, heißere und trockenere Sommer verantwortlich sei. Er deutete eine Änderung der Politik an, um Emissionen zu reduzieren. Zuvor hatte er allerdings gesagt, die Vorstellung, klimapolitische Maßnahmen hätten direkten Einfluss auf die Feuer, sei "lächerlich".

Morrison, ein Förderer der Kohleindustrie, war für seinen Umgang mit der Krise scharf kritisiert worden. Ihm wurde auch eine Verharmlosung des Klimawandels und von dessen Auswirkungen auf die derzeitigen Buschfeuer vorgeworfen. Darüber hinaus hatte er kürzlich einen äußerst umstrittenen Familienurlaub auf Hawaii gemacht.

Demonstranten forderten Rücktritt des Premiers

Nun sagte Morrison dem Sender ABC, im Nachhinein wäre er nicht in diesen Urlaub gegangen. Vor Ort hätte er besser mit der Krise umgehen können. Das Ausmaß der Brände sei „beispiellos“. Die Menschen hätten eine „neue Erwartungshaltung“, wie die Regierung einer solchen Situation begegnen sollte.

Am Freitag waren in größeren Städten Australiens Zehntausende auf die Straßen gegangen und hatten unter anderem Morrisons Rücktritt gefordert.

Die Schäden durch die Feuer sind immens - auch für die Wirtschaft, besonders den Tourismus und die Landwirtschaft. Auch die Winzer sind betroffen: Die Anbauregion Victoria sorge sich wegen der Rauchbelastung, sagte die Abgeordnete Helen Haines dem Sender ABC. „Rauchflecken könnten ganze Jahrgänge zerstören.“ (dpa)