Es ist Mitternacht - und sehr laut

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Selbstversuch an der Ostsee : Eine Nacht im Strandkorb
Marius Buhl
Gab's auch schon: Ein Riesen-Strandkorb für die mächtigsten Politiker der Welt.
Gab's auch schon: Ein Riesen-Strandkorb für die mächtigsten Politiker der Welt.Foto: dpa Bildfunk

Am Horizont steigt träge ein Ballon in den Himmel. Er leuchtet orangefarben, scheint von hier riesengroß. Dann wandert er höher, schrumpft und verliert seine rote Farbe. Blutmond nennt man dieses Spektakel. Ich schließe die Klappe des Strandkorbs. Zeit zu schlafen. Schön, wie das Meer rauscht und der Wind wispert. Ein bisschen leiser dürfte es aber sein. Schlafen wäre jetzt wirklich schön.

Es ist Mitternacht. Du lieber Himmel, ist das laut. Wind und Meer vermengen sich zu einem tosenden Crescendo. Was war das? Ein Knurren, ganz nah. Ich öffne eines der seitlichen Bullaugen. Dunkelheit. Das kann doch nicht sein?

Plötzlich sehe ich einen struppigen Hund

Ich muss an einen Ausflug denken, den ich mit einem Freund unternahm, als wir 19 waren. Wir wanderten stundenlang durchs Elsass, abends suchten wir uns Hölzer und Zweige und bauten damit ein Bett. Als es dunkel wurde, schlief mein Freund sofort ein; ich lag die ganze Nacht wach und hörte jedes Knacken, jedes Surren im Wald. Ich war mir damals sicher, dass in der Ferne Wölfe gejault haben.

Draußen raschelt es, dann wieder das Knurren. Ich taste nach der Taschenlampe. Behutsam öffne ich den Deckel des Strandkorbs. Ich erschaudere. Im Lichtkegel meiner Lampe steht ein struppiger Hund. Er bellt. Vor Schreck fällt mir die Lampe aus der Hand. Der Hund guckt verdutzt, dann springt er über den Strand davon. Ein Schluck Wein auf den Schreck. Ich falle ins Kissen.

Es ist 7.33 Uhr, als sich die Sonne blutrot aus dem Meer erhebt und ihre Strahlen in meinen Strandkorb schickt. Ich blinzle. Dann stehe ich auf und springe in die Ostsee. Sie leuchtet.

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