Sibirische Arktis-Insel Nowaja Semlja : Russische Insel meldet Invasion von Eisbären

Wegen zu vieler Eisbären haben die Behörden in Nowaja Semlja den Notstand ausgerufen. Einige Tiere sollen bereits Menschen angegriffen haben.

Wegen der Eisschmelze halten sich die Eisbären (hier Tiere in Alaska) länger an Land auf.
Wegen der Eisschmelze halten sich die Eisbären (hier Tiere in Alaska) länger an Land auf.Foto: Susanne Miller/US Fish and Wildlife Service/Handout via Reuters

Wegen einer "Invasion aggressiver Eisbären" haben die Behörden auf der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer den Notstand ausgerufen. Dutzende Bären seien in Wohnhäuser und öffentliche Gebäude eingedrungen, hieß es am Samstag zur Begründung. Regionale Behörden setzten einen Hilfsappell ab. Eine Abordnung von Experten wollte sich auf den Weg zu der Insel mit ihren rund 3000 Einwohnern machen, auf der sich russische Luftstreitkräfte und Luftverteidigungstruppen befinden.

Eine Genehmigung zur Erschießung der Bären wurde zunächst nicht erteilt. Eisbären gehören zu den gefährdeten Tierarten und dürfen in Russland nicht erlegt werden. Die für Nowaja Semlja zuständigen Regionalbehörden in Archangelsk erklärten allerdings, sollten alle anderen Mittel fehlschlagen, könne das Erschießen der Tiere nicht mehr ausgeschlossen werden.

Mehr als 50 Tiere sind ständig nahe der Hauptsiedlung

In einem örtlichen Bericht an die Regionalbehörden hieß es, seit dem vergangenen Dezember seien 52 Polarbären regelmäßig in Beluschja Guba, der Hauptsiedlung der Insel, aufgetaucht. Einige von ihnen hätten Menschen angegriffen. Eltern hätten Angst, ihre Kinder zum Kindergarten oder in die Schule gehen zu lassen. Einige Bären würden Menschen "regelrecht jagen", sagte der Chef der örtlichen Behörde, Schiganscha Musin. Er lebe seit 1983 auf der Insel, aber einen Einmarsch so vieler Bären habe er noch nie erlebt.

Die beschleunigte Eisschmelze in der Arktis als Folge des Klimawandels führt dazu, dass Eisbären sich länger an Land aufhalten. Einem Experten des Sewertsow-Instituts für Ökologie und Evolution in Moskau zufolge wandern die Tiere zunehmend nach Süden, um an Land nach Nahrung zu suchen. Der Grund für die Invasion sei, dass sie in den Siedlungen Futter fänden. "Da es Behälter mit genießbarem Abfall gibt, hören sie auf zu wandern." (AFP, dpa)