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Sophia Lösche wurde beim Trampen ermordet : Lebenslange Haft für Boujemaa L.

Der Mörder von Sophia Lösche ist verurteilt worden. Der Prozess gegen den Lkw-Fahrer konnte viele Fragen aber nicht wirklich beantworten.

Der 42-jährige Boujemaa L. ist wegen Mordes an Sophia Lösche zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Der 42-jährige Boujemaa L. ist wegen Mordes an Sophia Lösche zu lebenslanger Haft verurteilt worden.Foto: Daniel Karmann/dpa

Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung an der Tramperin Sophia Lösche hat das Landgericht Bayreuth einen Lastwagenfahrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sprach den 42-Jährigen am Mittwoch schuldig, die Studentin im vergangenen Jahr umgebracht zu haben.

Sophia Lösche hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen. Von dort wollte sie nach Aussage ihres Bruders Andreas Lösche per S-Bahn zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Dort kam die 28-Jährige aber nie an. Die eigentliche Tat soll sich in Oberfranken ereignet haben.

Sophias Leiche wurde später in einem Straßengraben in Spanien entdeckt. Der Anklage zufolge hat der marokkanische Fernfahrer die Tramperin ermordet, um eine sexuelle Straftat zu verdecken. Hinweise auf ein solches Delikt hatten Rechtsmediziner aber nicht gefunden, so dass selbst die Oberstaatsanwältin in ihrem Plädoyer davon abrückte.

Sie forderte daher eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte habe Sophia noch am Abend der Abfahrt mit einem Radmutterschlüssel schwer verletzt. Um die Verletzungen zu vertuschen, habe er sie nach einer zehnminütigen Pause erschlagen. Das „Sterben der Sophia auf Raten“ spreche für eine besondere Schwere der Schuld, hatte der Anwalt der Eltern plädiert.

Die Studentin sei schon nach den ersten Schlägen tot gewesen, widersprach der Verteidiger des geständigen Fernfahrers. Er plädierte daher für eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags.

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Mord an Tramperin Sophia: Lkw-Fahrer gesteht
Mord an Tramperin Sophia: Lkw-Fahrer gesteht

Der 42-jährige Boujemaa L. gestand im Prozess die Tötung. "Natürlich weiß er, dass er schweres Unrecht verübt hat", sagte Verteidiger Karsten Schieseck. Er bestritt aber den ursprünglichen Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass er sich an Sophia sexuell vergangen und sie deshalb danach getötet habe.

Nach der Darstellung des Angeklagten verlief die gemeinsame Fahrt zunächst harmonisch. Sophia habe einen Joint geraucht, er habe sie an einem Rastplatz mit Kaffee versorgt. Eskaliert sein soll es bei einer neuen Rast: Als er zum Laster zurückkehrte, soll sie in seinen Sachen gewühlt haben. Während er einen Diebstahl vermutet habe, habe sie ihn bezichtigt, ein Bröckchen Haschisch von ihr geklaut zu haben.

Was geschah im Führerhaus?

Der Streit sei eskaliert, sie habe ihn geschlagen. Daraufhin habe er mit einem Werkzeug, das er von einer Reifenkontrolle noch zufällig in der Hand gehalten habe, mehrfach auf ihren Kopf eingeschlagen. Zunächst habe Sophia noch gelebt. Erst als sie später am Boden liegend nach seinem Bein gegriffen habe, habe er ihr mit einem weiteren Schlag den Schädel zertrümmert.

Immer wieder brach der verheiratete Familienvater in Tränen aus. Immer wieder steigerte er sich in Melodramatik. Richter Bernhard Heim bat er quasi um die Todesstrafe: "Geben Sie meine inneren Organe für jemanden, der sie braucht, ich halte die Situation nicht mehr aus."

Wirre Aussagen des Täters

Zum Untermauern des Sexualmotivs führte die Anklage an, dass L. vor der Tat auf einem Rastplatz andere Frauen auf dem Weg zur Toilette fotografierte und sich außerdem selbst befriedigte, wie Fotos auf seinem Handy zeigten. Der Angeklagte bestritt das Sexualmotiv intensiv, immer wieder drehte er sich dabei zu den Eltern von Sophia. Er bat das Gericht, nicht die Würde von deren Tochter "zu beflecken" mit solchen "Unterstellungen".

Kritik der Familie an Ermittlern

Die Familie hatte wiederholt die Arbeit der deutschen Ermittler kritisiert. Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe. Auch habe die Kommunikation zwischen den Bundesländern Bayern und Sachsen nicht funktioniert, hatte Andreas Lösche gesagt.

Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, Rechtspopulisten versuchten, Sophias Tod zu instrumentalisieren. Unter anderem hatten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz, einem „Schweigemarsch“, im vergangenen Jahr das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt getragen. Die Familie Lösche betonte vor diesem Hintergrund immer wieder, dass es in dem Verfahren nicht um Gewalt von Flüchtlingen gehe, sondern um Gewalt gegen Frauen. (dpa)

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