"Niemand muss sehen, wo die Millionärin ein Piercing hat"

Seite 2 von 4
Spa-Managerin des Jahres Marlis Minkenberg im Interview : "Die Gäste kommen auch, um zu reden"
Unter Sylter Reet. Die Auffahrt des Resorts.
Unter Sylter Reet. Die Auffahrt des Resorts.Foto: promo

Sogar die Junggesellenabschiede wollen nicht mehr saufen, sondern ausspannen.

Ins Spa gehen ist das neue Ausgehen. Da kommen Männergruppen und mieten sich die Spa-Suite. Medical-Healthness-Spa heißt das Konzept der Zukunft. Die Gäste wollen Sport- und Ernährungsberatung, eine Körperanalyse: Wie viel Fett, Wasser, Muskelmasse habe ich?

Wie reagieren Sie darauf?

Wir machen nichts Medizinisches. Wir haben weder ein Ultraschallgerät noch eine Bedampfungsmaschine, die die Haut weicher macht. Wir bieten auch kein Needling an, wieder so ein Trend. Dabei fügt ein Automat der Haut kleine Pikser zu. Hinterher sieht man jünger aus, funktioniert tatsächlich. Wir machen alles mit der Hand. Meine Therapeuten wollen eher keine heißen Steine oder Kräuterstempel zwischen sich und den Menschen.

Sie haben hier auf Sylt prominente Besucher, eine gesetzlich verordnete Schweigepflicht wie Therapeuten aber nicht.

Wir sind diskret. Deshalb verteilen wir Hamam-Tücher aus Leinen, im marokkanischen Stil, niemand muss sehen, wo die Millionärin ein Piercing hat oder ein bisschen Cellulite. Aber halten Sie sich fest: Sogar in einem Fünf-Sterne-Haus wie dem unseren werden die Tücher ständig entwendet. Ich habe die neue Kollektion mit einem riesigen Schriftzug bedrucken lassen. Wenn sie schon in den Villen dieses Landes herumliegen, sollen sie dort wenigstens Werbung für uns machen.

Wohin gehen Sie selbst, wenn Sie mal ein gutes Spa besuchen wollen?

In das Hotel Victoria Jungfrau in der Schweiz – da habe ich mich inspirieren lassen. Dort gibt es keine zugigen Stellen auf den Gängen, überall Tee- und Handtuchstationen und ähnlich viel Platz wie bei uns.

Sie müssen es wissen: Welche Verspannungen hat Deutschland?

Verkürzte Muskeln im Nacken und Schulterbereich! Alle arbeiten nach vorn gebeugt, ob am Auto, am Schreibtisch, am Handy. Wir sollten uns mal wieder nach hinten beugen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben