Stand-Up-Paddling im Spreewald : Durch den Wald brettern

Stand-Up-Paddling ist eine Mischung aus Kajakfahren und Surfen. Erfunden haben es wohl polynesische Fischer, inzwischen kann man damit den Spreewald erkunden.

Stille. Manche SUP-Touren gehen schon früh morgens los, dann kann man idyllische Momente erleben.
Stille. Manche SUP-Touren gehen schon früh morgens los, dann kann man idyllische Momente erleben.Foto: Martin Fix

Am Anfang steht die Unsicherheit. Martin Fix versucht, sie seinen Schülern zu nehmen. „Entspann dich, atme ganz ruhig, guck nur nach vorne. Jetzt versuch mal, langsam aufzustehen.“ Einer von Fix’ Schützlingen kniet auf einer Art Surfbrett in einem Fließ im Spreewald – und hat Angst vor dem Gefühl, das sich gleich einstellen wird: dem Stehen auf dem Wasser. Während seine Frau locker neben ihm hin und her paddelt, fängt er an zu zittern, will eigentlich absteigen, abbrechen. Bloß runter vom Brett. Fix, Surflehrerbräune, drahtige Statur, überzeugt ihn, erklärt die Bewegungsabläufe. Schließlich steht der Mann doch auf wackeligen Beinen und fährt das Spree-Fließ hinunter.

„Manchmal muss man die Leute ein bisschen zu ihrem Glück zwingen“, sagt Fix, der in Burg luftgefüllte Stand-Up-Paddle-Boards verleiht. Und wie viel Glück man dabei empfindet, aufrecht durch die Wasserstraßen seiner Heimat zu fahren, weiß er sehr genau.

Stand-Up-Paddling, kurz SUP, ist eine Sportart, für die sich seit Jahren weltweit immer mehr Menschen begeistern. Man surft nicht, man fährt nicht mit dem Kajak, es ist eine Mischung aus beidem. Mit einem langen Paddel gleitet man stehend auf einem Board über das Wasser. Klingt wackelig, ist es aber nur zu Beginn. Gefährlich ist es sowieso kaum. Vor allem im Spreewald kann einem nicht viel passieren. Die Fließe sind oft nicht mal einen Meter tief. „Wer hier ertrinkt, ist nur zu faul zum Aufstehen“, sagt Fix. Wenn man das Brett beherrscht, bringe einem das „Gänsehautmomente“. Die Natur, das gemächliche Dahingleiten, die Ruhe und Weite der Umgebung. Klingt nach einer ganz neuen Erfahrung. Aber ist das wirklich so viel anders als Kajakfahren?

Rund um Burg gibt es 300 Kilometer Wasserwege

Der Kurort Burg liegt in der Nähe von Lübbenau im östlichen Oberspreewald, 120 Kilometer südlich von Berlin. Es ist ein traditionsreicher Ort. Über 35 Quadratkilometer erstreckt sich die Gemeinde, es ist eine sogenannte Streusiedlung mit in der Gegend verteilten Häusern und Ortsteilen, die im Gebiet der sorbischen Volksgruppe liegt. Deren Sprache findet man auf den Wegweisern im Ort, die auch an den Wasserstraßen stehen. Bórkowy heißt der Ort im Niedersorbischen. Seinen Namen hat es wohl von den Eimern aus Buchenborke, in denen die Fischer ihren Fang zum Verkauf nach Cottbus brachten. Heute fahren sie nicht mehr zum Markt in die Stadt, die Städter kommen in Busladungen zu ihnen, um Spreewaldgurken auf Kahnfahrten zu probieren.

Etwa 200 bis 300 Kilometer Wasserwege bietet das Gebiet von Burg, mehr als 1000 sind es im gesamten Spreewald. Hier fahren Kähne, Kajaks, Kanus – und seit einigen Jahren SUP-Boards. Wandern auf dem Wasser. Die bunten Tupfer, also die teils neonfarben angemalten Stehbretter, haben anfangs nicht alle gefreut. „Wenn man hier was Neues probieren will, ist das manchmal schwierig“, sagt Martin Fix. SUP sei eben „nicht spreewaldtypisch“.

Wie das mit dem Stand-Up-Paddeln angefangen hat, darüber gibt es verschiedene Theorien. Angeblich nutzten polynesische Fischer Baumstämme mit Stangen, um sich aufrecht zu ihren Fischgründen zu bewegen. Adaptiert wurde das später von Surfern, um mit Brett und Paddel schneller zu den guten Wellen zu fahren – oder um ihre Surfschüler besser im Blick zu haben.

Immer was Neues zu sehen

Inzwischen ist um das Stehpaddeln eine Begeisterung entstanden, die dazu geführt hat, dass gut besuchte Wettkämpfe ausgetragen werden. Zuletzt fand Ende 2018 im chinesischen Wanning die SUP-Weltmeisterschaft der International Surf Association statt. Hunderte Sportler fahren dabei um die Wette, es gibt Preisgelder und Sponsoren. Im Freizeitbereich ist der Sport längst angekommen, viele Kanu- und Surfvereine haben eine SUP-Abteilung. Bretter kriegt man in allen Farben und Qualitäten, sie kosten von etwa 200 bis um die 1000 Euro.

Martin Fix hat der Hype spätestens ergriffen, als er 2013 zum ersten Mal Stand-Up-Paddling im Spreewald ausprobierte. Er kaufte ein Brett, dann noch eins, vermietete sie. Hunderte andere Begeisterte kamen auf dieselbe Idee. In Deutschland kann man den Sport heute eigentlich überall betreiben, von Rostock bis zum Bodensee. Wo Wasser ist, gibt es Stand-Up-Paddling.

Momentan hat Kfz-Meister Fix um die 50 Boards, er ist der Einzige, der die Sportart kommerziell im Spreewald anbietet. Was diese Gegend von anderen unterscheidet? Die Abwechslung, findet Fix. „Beim Paddeln auf einem See hat man immer die gleiche Aussicht. Hier kannst du tagelang durch die Gegend fahren, du siehst immer was Neues.“ Zehn Euro kostet das Ausleihen in der Stunde pro Person, 50 Euro am Tag. Fix schwärmt von „der traumhaften Ruhe“. Na gut, dann rauf aufs Board. Zur Orientierung gibt’s noch eine Karte der Umgebung – inklusive aller Wasserwege.