Litomerice hält, was Cesky Krumlov verspricht

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Tschechien : 72 Stunden Böhmen mit Kindern
Touristen haben es in Cesky Krumlov nicht leicht. Die Einheimischen sind lieber unter sich.
Touristen haben es in Cesky Krumlov nicht leicht. Die Einheimischen sind lieber unter sich.Foto: Libor Svacek

9 UHR

Cesky Krumlov, here we go again. Nächster Versuch. Wir wollen Leben abseits der Massen finden, vielleicht etwas Alltag - vergeblich. Es gibt in den Straßen der Altstadt weder Supermarkt noch Apotheke oder Friseur. Peking-Enten kann man hier bekommen, das schon. Wir stranden in einem Trdelnik-Laden und stopfen uns mit den zuckrigen Hefekringeln voll. Den Rest des Morgens rennen wir vorbei an uralten Bäumen, einer historischen Reitschule und Fontänen durch den wunderschönen Schlosspark. Am Ende gibt es ein Bärengehege, dessen Insassen sich sympathischerweise den Kameras verweigern.

12 UHR

Kindermittagsschlaf in der Pension. Wir versuchen währenddessen telefonisch, eine Floßfahrt auf der Moldau zu organisieren und werden vom Veranstalter mit dem Hinweis auf eine nahende Schlechtwetterfront abgebügelt. Tatsächlich, es beginnt ganz leicht zu tröpfeln. Wieder ein Crumlover, der von Touristen genervt scheint.

15 UHR

Besuch des Klosters, wo wir uns als Hofnarren und Burgfräulein verkleiden und mit Hilfe von Schablonen und Farbe Familienwappen entwerfen. Das nennen sie hier „interaktive Ausstellung“. Die Kinder kreischen begeistert, als sie den Saal mit den Ritterspielen entdecken - inklusive Puppentheater. Uns Erwachsene dürstet es längst nach einem großen Trinkhorn Gegenwart. Nächste Etappe: Besuch einer „dm“-Filiale im Neubauviertel, um die vergessene Zahnpasta nachzukaufen. Echte Tschechinnen kaufen hier ein! Keine Drohnen!

17 UHR

Wir suchen das beste Restaurant in Cesky Krumlov. Der Tourismusverband weiß nicht so recht. Trip Advisor rät mit „Le Jardin“ zur französischen Küche. Ah non, merci. Wir probieren es mit einer Reservierung im „Svejk“ und seiner traditionellen böhmischen Küche. Gaststube, viel braunes Holz, viel braunes Gulasch und Serviettenknödel - für Besucher. Dementsprechend gereizt der Service. Klare Sache, auch hier soll es zügig gehen, damit der Tisch bald wieder frei wird. Wir probieren es mit extremer Freundlichkeit, loben jeden Gang, jedes Getränk, bedanken uns wieder und wieder. Schließlich tanzt ein Lächeln über das Gesicht der Barfrau. Zum Abschied schenkt sie den Kindern Schokobons, offenbar aus ihrem Privatvorrat.

15 UHR

Der Abschiedsschmerz von Cesky Krumlov hätte größer sein können. Wir entscheiden uns für einen Stopover in Litomerice (zu deutsch „Leitmeritz“). Und tatsächlich: Das nordböhmische Städtchen hält, was Cesky Krumlov verspricht. Hübsch am Zusammenfluss von Elbe und Eger gelegen, verführen die vielen bunten Sträßchen und Plätze zum Verlaufen und Trödeln. Alles wird umrundet von einer gotischen Stadtbefestigungsanlage. Die Innenstadt dient nicht nur als Kulisse, sondern wird tatsächlich bewohnt. Unser Quartier heißt „Grandhotel Salva“, verfügt über eine spektakuläre Lebkuchenhaus-Fassade und liegt direkt am Marktplatz. Leider zwingt uns ein Sturm nach drinnen. Die Schlechtwetterfront des Flößers!

18 UHR

Wir wagen uns ins „Wine Food Klaret“, das direkt neben dem Hotel liegt. Immer mehr Tapas fliegen aus der Küche auf unseren Tisch - für die Kinder am Ende sogar gebratene Ananasspieße. Niemand spricht Englisch, wir nehmen alles, was kommt. Die Stimmung könnte nicht besser sein. Reisender, kommst du nach Litomerice, besuche das „Wine Food Klaret“.

8 UHR

Ist das ein Traum? Nein. Im Frühstücksraum des „Grandhotel Salva“ sitzt ein Motorradrocker mitsamt Kutte und trinkt ein Glas Holunderschorle. Für die erste Mahlzeit des Tages ist das „Salva“ zu Recht berühmt: Obstsalate in Weckgläsern, hausgemachte Schorlen und Marmeladen, aus einer Honigwabe tropft es auf den Teller. Regionale Käsespezialitäten, Apfelstrudel, knuspriger Speck. Ein Wochenendausflug lohnt sich, von Berlin sind es nur 290 Kilometer bis zum perfekten Brunch. Cesky Krumlov ist fast doppelt so weit entfernt.

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