Unterwasser-Archäologe Robert Ballard : Das Schicksal von Amelia Earhart soll endlich geklärt werden

Robert Ballard hat schon die Titanic und die Bismarck gefunden. Jetzt wagt er sich an seine vielleicht größte Mission.

US-Flugpionierin Amelia Earhart in einem Cockpit
US-Flugpionierin Amelia Earhart in einem CockpitFoto: picture alliance / Keystone/Zuma

Robert Ballard hat in seinen Jahren als Archäologe schon viele Schätze gehoben. Zumeist waren es Schiffe. Die Titanic etwa. Auch die Bismarck. Dazu unzählige namenlose, aber nicht minder historisch bedeutende. Auch dieses Mal bleibt er dem Wasser treu. Aber das Objekt wechselt er. Er sucht ein Flugzeug und dessen Besatzung. Ballard will endlich das Schicksal von Amelia Earhart klären, die vor mehr als 80 Jahren im Pazifik verschwand.

Amelia Earhart, Flugpionierin und Feministin – die Faszination für diese Frau habe ihn sein ganzes Leben begleitet, sagte Ballard der „Washington Post“ diese Woche. Earhart stammte ebenso wie Ballard aus dem Bundesstaat Kansas. Zeitlebens hatte sie sich gegen traditionelle Geschlechterrollen gestellt. Sie fuhr Sportwagen, wollte keine Kinder. 1932 überquerte sie als erste Frau im Alleinflug den Atlantik. Viele Rekorde mehr folgten.

Beim Versuch, als erster Mensch die Erde am Äquator zu umrunden, verschwand sie allerdings – kurz vor ihrem 40. Geburtstag – spurlos. Earhart war im Mai 1937 in Miami gestartet. Nach Zwischenstopps in Brasilien, Westafrika, Kalkutta, Rangun und Lae hatte sie bereits einen Großteil der Strecke zurückgelegt. Auf dem Weg zur Howlandinsel brach der Funkkontakt zu ihr und dem Navigator Fred Noonan plötzlich ab. Es war der 2.Juli 1937.

Seitdem suchten Menschen immer wieder nach ihr. Doch gefunden wurden weder sie, noch das Flugzeug.

Titanic-Entdecker Robert Ballard
Titanic-Entdecker Robert BallardFoto: picture alliance / dpa

Die US-Navy und andere glauben, die zweimotorige Lockheed Electra sei mit leeren Tanks im Pazifik versunken. Andere mutmaßen, Earhart und Noonan seien von Japanern gefangen genommen worden – oder Earhart lebte unter anderem Namen irgendwo in den Staaten. Und dann gibt es die Nikumaroro-Theorie.

„Ich bin ein Jäger – du musst wie die Beute denken, die du jagst“, sagte Ballard vor dem Start der Mission „National Geographic“. So hat der 77-Jährige 1985 das Wrack der Titanic gefunden. Es folgten das des deutschen Weltkriegs-Schlachtschiffs Bismarck und andere – ein phönizisches aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. etwa, auch altrömische und byzantinische. Ballard hat über seine Forschung auch doziert und zahlreiche Bücher geschrieben. Er versuche sich jetzt in Earharts Entscheidungen damals hineinzudenken, selbst im Cockpit zu sitzen, sagt er.

Ballard scheint es am wahrscheinlichsten, dass Earhart sich mit einer Notlandung auf Nikumaroro retten konnte und dort später starb – oder ihr Flieger wenigstens kurz davor am Korallenriff zerschellte. Dort hatte eine Aufklärungsmaschine wenige Wochen nach ihrem Verschwinden ein Foto gemacht. Die verschwommene Aufnahme legt ein Lager am Strand nahe.

Die Luftaufnahme zeigt den Blick aufdie Hauptinsel des Pazifikstaates Kiribati.
Die Luftaufnahme zeigt den Blick aufdie Hauptinsel des Pazifikstaates Kiribati.Foto: picture alliance / dpa

Ballard wird also am 7. August von Samoa aus Richtung Nikumaroro aufbrechen. Die Insel ist Teil der Inselnation Kiribati. Sie liegt etwa auf halber Strecke zwischen Hawaii und Australien. Nikumaroro ist nicht viel mehr als ein schmaler Landstreifen – etwa sieben mal zwei Kilometer misst das Atoll. Bis auf zahlreiche Palmendiebe – der weltgrößten bekannten Krebsart, die sogar Kokosnüsse knacken kann – ist sie heute unbewohnt.

Ballard wird dort in den nächsten Wochen zwei Teams führen, die an Land und im Wasser nach Überresten von Earhart selbst oder ihrem Flugzeug suchen. Über 150 Tiefsee-Expeditionen hat der Amerikaner schon geleitet, aber besonders ist diese jetzt schon, selbst nach seinen Maßstäben. Nicht nur wegen der Obsession für die Flugpionierin – auch wegen der Ausstattung. Laut der „National Geographic Society“, die die Mission stiftet, kommt das Beste zum Einsatz, was auf dem Markt ist: Ein Sonargerät zur Untersuchung des Meeresbodens ebenso wie Roboter, die bis zu 13.000 Fuß tief tauchen.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Suchaktionen auf der Insel. Zum Teil wurden dabei sogar Gegenstände gefunden – 1940 ein Damenschuh etwa, und sogar Teile eines Skeletts. Dessen Identität konnte allerdings nie geklärt werden.

Palmendieb
PalmendiebFoto: Bild ohne Text

Ballard weiß zumindest, worauf er achten muss. Eisen habe etwa die Eigenschaft, Korallen schwarz zu färben. Andersherum färbte sich das Metall selbst im Salzwasser orange. Das helfe, ein Wrackteil zu finden – wenn es denn da ist, sagte er der kanadischen „National Post“. Er glaube fest an den Erfolg, wisse aber auch um die Herausforderung. „Stellen Sie sich vor, ich gäbe Ihnen eine Taschenlampe und Sie sollten damit meine Brieftasche im Grand Canyon suchen, im Dunkeln.“

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Ballard beschreibt das Areal als Zusammenspiel von Ozean und lebendem Riff – „ein Platz, wo ein Flugzeug schnell pulverisiert werden würde“. Andererseits hat Ballard sich in der Vergangenheit immer wieder an Missionen gewagt, an denen andere zuvor gescheitert waren. Eines ist schon vor dem Start klar: Die Forschungsreise soll von National Geographic gefilmt werden. Sie wird am 20. Oktober als zweistündige Dokumentation ausgestrahlt.