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Zuflucht in den Arabischen Emiraten : Juan Carlos taucht unter, Sofía bleibt im Palast

Ex-König Juan Carlos ist wohl doch nach Abu Dhabi und nicht in die Dominikanische Republik geflohen. In seiner Heimat Spanien droht ihm der Prozess.

Juan Carlos und Sofía bei der Beerdigung des Großherzogs von Luxemburg 2019
Juan Carlos und Sofía bei der Beerdigung des Großherzogs von Luxemburg 2019Foto: JOHN THYS / Belga / AFP

„Juan Carlos verlässt Spanien“, titelten in großen Buchstaben fast alle spanischen Tageszeitungen. Doch die Umstände dieser plötzlichen Ausreise jenes Mannes, der 39 Jahre lang Spaniens königliches Staatsoberhaupt war, gleichen eher einer Flucht.

Denn der öffentliche Druck auf den König im Ruhestand, der wegen eines Korruptionsskandals und geheimer Auslandskonten im Zwielicht steht, war zuletzt immer größer geworden. So groß, dass sein Sohn, König Felipe, der 2014 die Krone geerbt hatte, sich gezwungen sah, seinem Vater vor die Palasttür zu setzen.

Kurz nachdem der 82-jährige Juan Carlos I. am Wochenende seinen Abschiedsbrief an Felipe diktiert hatte, soll er das Land schon verlassen haben. Als das Königshaus am Montagabend die Bombe platzen ließ und das Schreiben veröffentlichte, befand sich Juan Carlos offenbar schon in der Ferne.

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Übrigens ohne Königin Sofía. Die 81-Jährige Mutter Felipes lebt wegen der zahlreichen Liebesabenteuer ihres Angetrauten schon länger von Juan Carlos getrennt. Sie wird nicht mit den illegalen Machenschaften in Verbindung gebracht und darf weiterhin im Madrider Zarzuela-Palast, dem offiziellen Sitz der Königsfamilie, wohnen.

Exil im Luxushotel

Die monarchistische Zeitung „ABC“ will unterdessen erfahren haben, dass der alte König nach Abu Dhabi geflogen ist. Ein Privatjet auf dem Weg von Paris in das Emirat habe am Montag in der nordwestspanischen Stadt Vigo einen Zwischenstopp eingelegt, so "ABC" am Freitag. Neben Juan Carlos seien vier Personenschützer und eine weitere Person zugestiegen.

Zuerst berichtete „ABC“, Carlos sei in die Dominikanische Republik geflüchtet. In dem Karibikstaat besitzt Juan Carlos' kubanischer Millionärsfreund Pepe Fanjul, ein steinreicher Zuckerfabrikant, einen luxuriösen Hotelkomplex namens „Casa de Campo“. Er soll Carlos Zuflucht in einer abgeschirmten Residenz geboten haben – doch nach neusten Erkenntnissen stellt sich der Bericht als falsch heraus.

Das Königshaus schweigt dazu, dementierte die Informationen aber auch nicht. Unterdessen betont Juan Carlos' Rechtsanwalt, dass sein Mandant mit dem Verlassen des Landes keineswegs vor den spanischen Strafverfolgern geflohen sei, die derzeit eine Anklage gegen den alten König prüfen. Vielmehr stehe das Ex-Staatsoberhaupt weiterhin der Justiz zur Verfügung.

Man wird sehen, ob diese Zusicherung mehr als eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit ist. Die Stunde der Wahrheit könnte schon bald kommen. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichtshofs in Madrid demnächst vorschlägt, Juan Carlos auf die Anklagebank zu setzen.

Der 82-Jährige wird inzwischen schon öfter jenen Tag verflucht haben, an dem er sich in die deutsche Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein verliebte. Mehrere Jahre blieb diese außereheliche Beziehung geheim. Bis zum Jahr 2012. Damals brach sich Juan Carlos bei einer Elefantenjagd in Botswana die Hüfte. Und die Öffentlichkeit erfuhr dadurch, dass nicht Sofía, sondern Sayn-Wittgenstein seine Begleiterin war.

Es war das Ende der Beziehung zu Corinna und der Anfang des königlichen Untergangs. Denn die Ermittlungen kamen in Gang, nachdem die von Juan Carlos enttäuschte Deutsche mehrmals mit einem spanischen Polizeioffizier über die illegalen Geschäfte ihres früheren Liebhabers plauderte. Der Beamte nahm die vertraulichen Gespräche, die 2015 und 2016 geführt wurden, auf. Die Aufzeichnungen landeten schließlich bei der spanischen Justiz und wurden auch mehreren Medien zugespielt.

Dunkle Finanzmanöver

Es geht darin um Deals mit arabischen Staaten, für die Juan Carlos Millionen kassiert haben soll. Das Geld landete angeblich auf geheimen Konten in der Schweiz. Die Ermittlungen scheinen die Vorwürfe erhärtet zu haben. Schweizer und spanische Ermittler fanden reichhaltiges Material. Dazu gehören Bankdokumente, welche die dunklen Finanzmanöver belegen sollen. Und Aussagen eines Schweizer Vermögensberaters, wonach der König 2010 mit einem Koffer voller Geld in Genf aufgetaucht sei, um 1,7 Millionen Dollar einzuzahlen.

Juan Carlos mit dem heutigen Königspaar Felipe und Letizia im Jahr 2012
Juan Carlos mit dem heutigen Königspaar Felipe und Letizia im Jahr 2012Foto: DOMINIQUE FAGET / AFP

Schlimme Enthüllungen, welche die spanische Öffentlichkeit schockten. Und welche Felipe VI. zwangen, mit seinem Vater zu brechen und ihn schließlich in die Verbannung zu schicken. Eine Entscheidung, die mit der spanischen Regierung abgestimmt war. „Die Monarchie konnte nicht länger den Verlust des Ansehens hinnehmen“, schreibt „La Vanguardia“, Spaniens zweitgrößte Zeitung. In der Tat deuten Umfragen darauf hin, dass die Bevölkerung nicht länger mehrheitlich hinter dem Königshaus steht.

Wie geht es nun weiter?

Eine Anklage ist im Falle eines spanischen Königs nicht so einfach. Laut Spaniens Verfassung kann das Staatsoberhaupt für Straftaten während der Amtszeit grundsätzlich nicht belangt werden. Nur Delikte, die Juan Carlos nach der Abdankung im Jahr 2014 begangen hat, können geahndet werden. Spaniens Staatsanwälte prüfen derzeit, ob genügend Beweise für eine Anklage wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung und Geldwäsche in den nachfolgenden Jahren vorliegen.

Neuigkeiten könnten demnächst von Corinna zu Sayn-Wittgenstein kommen. Die 55-jährige muss Anfang September vor einem spanischen Untersuchungsrichter wegen jener brisanten Tonbänder aussagen, auf denen sie Juan Carlos beschuldigt. Da sie dem König vorwirft, sie in die schmutzigen Geschäfte gegen ihren Willen hineingezogen zu haben, könnte es gut sein, dass sie dann die nächste Bombe zündet.