Imbisstest : Gefüllte Milchbrötchen bei der "Schneiderei"

Fischragout mit Lachs? "Blasphemie", sagte Lirons Shnaiders Mutter. Er hat nicht auf sie gehört. Glücklicherweise, wie seine gefüllten Milchbrötchen beweisen.

Sechs Euro kostet das gefüllte Milchbrötchen an Lirons Stand.
Sechs Euro kostet das gefüllte Milchbrötchen an Lirons Stand.Foto: Mike Wolff

Vor gut 3000 Jahren stieg einer von Lirons Ur-Ur-Ur-Ur-Ahnen von einem Berg und verkündete ein Gesetz: Du sollst Vater und Mutter ehren! Aber wie bei jedem Gesetz gibt es auch bei diesem manchmal gute Gründe, es zu brechen. Man muss halt nur wissen, wann.

Mehr Brioche als Challa

Lirons Mutter jedenfalls war wenig begeistert. Lachs? Also wirklich, das sei doch wohl Blasphemie. Vor Israels Küste gebe es keinen Lachs. In einem Fischragout habe der folglich nichts verloren. Liron hat nicht auf sie gehört.

Und auch bei seinem Milchbrötchenrezept hat er sich weniger am jüdischen Challa als am französischen Brioche orientiert. Wie gesagt, man muss wissen, wann Gesetzesbruch sich lohnt – und beim Fish-Stew-Sandwich lohnt es sich gleich doppelt.

Eigentlich ist er Kameramann

Seit Kurzem verkauft Liron Shnaider, 35, geboren in Tel Aviv, zugezogen aus London, und eigentlich gelernter Kameramann, seine gefüllten Milchbrötchen als Pop-up-Shop und an jedem zweiten Street Food Thursday in der Kreuzberger Markthalle IX. „Schneiderei“ hat er seinen Stand getauft. Neben Fisch gibt es auch noch eine Variante mit gegrillter Aubergine, Schafskäse, roten Zwiebeln, gekochtem Ei.

Wenn man Schmusen als Snack verkaufen könnte, wäre man mit diesen angerösteten Milchbrötchen nahe dran. Weich und warm sind sie und haben eine Teigkonsistenz von genau jener liebreizenden Zähigkeit, die nach Kindheit und Geborgenheit schmeckt.

Liron Shnaider, 35, geboren in Tel Aviv, kürzlich zugezogen aus London, ist eigentlich gelernter Kameramann.
Liron Shnaider, 35, geboren in Tel Aviv, kürzlich zugezogen aus London, ist eigentlich gelernter Kameramann.Foto: Mike Wolff

Sechs Euro kostet das Fish-Stew-Sandwich an Lirons Stand. Nicht ganz günstig, denn zwei kann man davon locker verdrücken, und auch dann ist noch Platz für Nachtisch. Obwohl, süß sind die Brötchen ja auch. Man kann einfach noch ein drittes nehmen. Mit zartem Lammragout und Harissa zum Beispiel.

Lirons Mutter hat seinen Fischeintopf inzwischen übrigens auch schon mal gekostet. Sie soll ziemlich zufrieden gewesen sein.

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