Italienische Restaurants: Acht echte Empfehlungen : Dolce Vita in Berlin

Wonach sehnt man sich bei diesem Wetter am meisten: Exklusivität? Innovation? Einmaligkeit? Wohl kaum. Neun beständig gute italienische Restaurants zeigen, was jetzt wirklich zählt: Lebensgefühl und Lage! Lage! Lage!

Felix Denk
Gute Italiener bieten mehr als Pizza. Hier sind unsere Tipps für beständig gute Adressen in Berlin - wenn Sie der große Hunger auf Mediterranes überkommt.
Gute Italiener bieten mehr als Pizza. Hier sind unsere Tipps für beständig gute Adressen in Berlin - wenn Sie der große Hunger auf...Foto: i-stock

Pantalone

Der Frohnauer ist so eine Art hanseatischer Berliner. Er hat Geld, will dafür aber eine hochwertige Gegenleistung und keine Experimente. Wer das berücksichtigt, kann sich auf eine jahrzehntelange freundschaftlich getönte Beziehung mit ihm einrichten. So ist das hier am Ludolfinger Platz, wo die Esslustigen der Gegend mit dem „Pantalone“ eine Art Symbiose über viele Jahre aufgebaut haben, die das viel beschworene Wünsche-von-den-Augen-Ablesen ganz normal erscheinen lässt. Die Pflanzen in den ­Kübeln um die luftige Terrasse herum sind dabei zu einer Höhe gewachsen, als steckten sie direkt in der Erde. Padrone Rocco Grüning ist vor allem ein bemerkenswerter Pasta-Spezialist, der auch eine kleine Manufaktur betreibt und sich dabei gelassen an den Jahreszeiten und vorsichtig an den Moden orientiert – man probiere die schwarzen Panzerotti mit Heilbutt auf Rucolapesto oder aber die Linguine mit Lammfleischbällchen. Die Pizza ist nicht billig, aber preiswert, und die Kellner behrrschen die Kunst der Nonchalance ohne ­Arroganz.

- Frohnau, Ludolfingerplatz 2, Tel. 4019132, tägl. ab 12 Uhr, pantalone.de

Osteria Nr. 1

Seit vier Jahrzehnten die Institution in Kreuzberg für mediterrane Lebensart: trubelig mit charismatischem Service, unverkünstelte Klassiker der besseren Art, ordentlich bestückte Weinkarte und ein anheimelnder Hofgarten mit plätscherndem Springbrunnen und Spielplatz gleich daneben. Kurz: Hier lässt es sich gut sein. Das hat sich auch nicht geändert, seit Familie Lamonaca die Osteria im Herbst 2016 übernommen hat: Die Gerichte sind einfach, noch einfacher die Präsentation, aber von der Pizza über die hausgemachte Pasta bis zu den traditionell karg begleiteten Secondi Piatti stimmt die Zubereitung. Die Karte wechselt praktisch täglich, unter der Woche gibt es zudem einen günstigen Lunch mit Pizza und Pasta.

- Kreuzberg, Kreuzbergstr. 71, Tel. 57792999, tägl. ab 12 Uhr

Villa Medici

Auch Schlachtensee hat seinen Klassiker all’italiana, in dessen kuscheligem Garten hinter der allzu toskanischen Abzäunung die Erinnerung an die laute Straße draußen schnell in anheimelnder Gemütlichkeit versinkt. Die große ­Geste mit Hummer und Trüffeln ist hier Teil des Programms, aber die Küche kann etwas anfangen mit den Produkten, sie arbeitet handwerklich sauber und setzt bewusst auf Fisch und Meeresfrüchte, lässt auch das Kapitel Fleisch nicht zu kurz kommen. Die Weinkarte verweigert sich zwar kategorisch der Moderne, aber nicht der Qualität, das passt hier stilistisch durchaus zusammen.

- Schlachtensee, Spanische Allee 1–3, Tel. 8021143, Di–So ab 11.30 Uhr, villa-medici-berlin.de

Ponte

Ein lauer Sommerabend ist ja eigentlich schon Luxus genug. Sich dann auch noch von Valter Mazza verwöhnen zu lassen, seinen mundwässernden Erläuterungen des aktuellen Tagesangebots zu lauschen, während im Hintergrund die Vögel zwitschern in der ruhigen Wohnstraße, kommt an Erholungswert fast schon einem Kurzurlaub nahe. Ein kühler Prosecco vorweg, dann Spinatsalat oder Vitello Tonnato und anschließend die hinreißenden Pasta-Variationen, das spart lässig den Weg über den Brenner. Mögen andere sich mit Touristen-Menüs in Italien abspeisen lassen. Valter Mazza serviert unterm Berliner Himmel, was seine Landsleute ihren besten Freunden gönnen.

Achtung: Das Ponte-Team ist aktuell noch im verdienten Urlaub, ab dem 8. August ist das Restaurant wieder wie gewohnt geöffnet.

- Schöneberg, Regensburger Str. 5, Tel. 21912410, Mi–Sa 10–23 Uhr, So 12–15 u. 17–21 Uhr, ponte-ristorante.de

Due Forni

Bei aller Liebe zum Kuppelofen, zum lange gereiften Teig, zu den neapolitanischen Zutaten, zum Holzfeuer, zur ganz kurzen Backzeit bei superheißer Temperatur, bei allem Respekt also gegenüber all den neuen High-End-Pizzerien, die in den letzten Jahren und Monaten eröffnet und die Pizza vom Fastfood zum Feinschmecker-Fetisch erhoben haben: Wenn es jetzt mal nur um die Terrasse geht, ist das „Due Forni“ in Prenzlauer Berg doch die beste Adresse. Auf dem endlich von der Baustelle befreiten Außenbereich sitzt man nämlich ziemlich lauschig – und der neu angelegte Garten mit unzähligen Stauden, Kräutern und Gräsern lässt einen den vorbeirauschenden Verkehr mit südländischer Leichtigkeit ertragen. Das in Kombination mit der jetzt nicht unter verschärftem Trendverdacht stehenden Steinofenpizza und dem schnörkellosen Hauswein ergibt schon einen ziemlich schönen Sommerabend.

- Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 12, Tel. 44017333, Mo–So ab 12 Uhr

La Diva

Es war durchaus eine Überraschung, als Bülent Demir seinem Sohn die etablierte Potsdamer „Villa von Haacke“ überließ, um ein heruntergekommenes Ufergasthaus im Norden Spandaus zu übernehmen, gleich an der Fähre nach Tegel-ort. Er hat natürlich das Potenzial der Lage gesehen, denn entgegen landläufiger Meinung ist es gar nicht so einfach, in Berlin oberhalb des Kneipenniveaus gepflegt am Wasser zu tafeln. Er hat eine Menge Geld investiert, um die Terrasse angenehm zu gestalten, mit guten Möbeln, Lampen und Schirmen, ganz ohne weiße Plastikstühle und andere Augenbeleidigungen. Auch innen ist alles sehr gelungen gestaltet, modern und kitschfrei. Die Küche konzentriert sich auf das klassische Repertoire, ergänzt um ein paar markante Stücke vom Dry-aged-Rind, das hat Potenzial. Leider schien es am Anfang, dass Küche und Service dem Andrang nicht gewachsen waren, der natürlich am größten ist, wenn die Sonne scheint und ohne Ende Boote vorüberziehen; möglicherweise muss sich der Chef auch noch mehr hineinknien. Einen Ausflug ist das Ganze aber so oder so wert – stilvoll zu erreichen mit der eigenen Jacht oder, zur Not, per Fähre.

- Spandau, Aalemannufer 31, Tel. 34660338, Di–So ab 12 Uhr, ladivaberlin.de

Nuovo Mario Grunewald

Na ja, eigentlich Schmargendorf. Egal, wer nichtsahnend um die Ecke hinterm Rathaus biegt, ist unweigerlich baff: Italienischer kann ein Ristorante unmöglich aussehen als dieses hier mit den nahezu elegant auf dem Bürgersteig angeordneten Tischen, dem weißen Leinen und den dahinter dräuenden hohen, schwarzen Flaschenregalen. Wenn es auch den Namen „Nuovo Mario“ gleich dreimal in der Stadt gibt, und das mit verschiedenen Geschäftsführern, so ist doch dies hier das einzige mit der vorstädtisch-grünen Eleganz, die wir für unser Sommerthema gesucht haben. Wer hier vorbeigeht, kann gar nicht anders als sich im mediterranen Stil umsorgen zu lassen, koste es, was es wolle. Dabei ist das mit den Preisen nicht so schlimm, es gibt unter der Woche sogar einen günstigen Business-Lunch. Carpaccio wird in drei Versionen von Lachs, Thunfisch und Rind angeboten, die Forelle dagegen süß-sauer, und bei den Hauptgängen dominiert ebenfalls der frische Fisch, klassisch aus der Vitrine, an dem die Küche klugerweise so wenig wie möglich macht.

Achtung: Urlaub noch bis 1. August.

- Schmargendorf, Reichenhaller Str. 4, Tel. 83222088, ab 11 Uhr, nuovomario-grunewald.de

Don Camillo

Es soll sogar Gäste geben, die das „Don Camillo“ als reines Sommerrestaurant betrachten. Der lauschige, umgrünte große Garten ist nicht weit vom Schloss Charlottenburg entfernt und durchaus eine Attraktion in der Gegend. Dabei ist das Lokal natürlich ganzjährig geöffnet und auch innen ganz hübsch eingerichtet. Biergartenatmosphäre braucht hier niemand zu befürchten. Eine elegante Grandezza und natürlich die gut einstudierte Show der Kellner gehören zum traditionellen Stil des fast 40-jährigen Restaurants. Viele Klassiker wie die Nudeln aus dem ganzen Parmesanlaib und das Carpaccio wurden hier erstmals in Berlin vorgeführt, und es gilt unweigerlich das gesprochene Wort des Chefs. Speisekarten spielen keine Rolle, man lässt sich, gern auch mit Blick auf große Präsentationsplatten, vom vielsprachigen Personal beraten und harrt dann der Dinge, die da kommen zwischen hausgemachter Pasta und Fischen aus dem Tagesangebot.

- Charlottenburg, Schloßstr. 7/8, Tel. 3223572, Mo–Sa ab 17 Uhr, don-camillo-berlin.de

Hinweis

In unserer Print-Ausgabe vom Samstag, 28. Juli, ist uns ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Das von uns genannte Restaurant "Bosco Verde" in Schmargendorf gibt es in dieser Form mittlerweile nicht mehr. Dort hat ein Pächterwechsel stattgefunden..

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