• 125 PKWs und ganz viele Stars: Im Münsterland startet erstes Klassikfestival im Autokino

125 PKWs und ganz viele Stars : Im Münsterland startet erstes Klassikfestival im Autokino

„Drive & Live“ bringt Stars der Klassikszene vor die Motorhaube. Das Live-Gefühl richtiger Konzerte wird das Festival wohl trotzdem nicht einfangen.

Frederik Hanssen
Comedian Bülent Ceylan vor Publikum. Das Autokino erfreut sich seit der Coronakrise neuer Beliebtheit.
Comedian Bülent Ceylan vor Publikum. Das Autokino erfreut sich seit der Coronakrise neuer Beliebtheit.Foto: Uwe Anspach

Wer im Internet die Werbe-Website des Münsterlands aufruft, erfährt, dass diese Region Deutschlands „ein Paradies für alle ist, die mit dem Fahrrad und Pferd unterwegs sind“. Aber ausgerechnet hier wird demnächst das weltweit erste Klassikfestival in einem Autokino starten. Es heißt „Drive & Live“, beginnt am 15. Mai, der Veranstaltungsort ist ein Parkplatz in der Kreisstadt Borken.

250 Menschen in 125 PKWs dürfen jeweils dabei sein, wenn auf der Bühne Stars der Szene wie der Multiperkussionist Martin Grubinger, der Geiger Christian Tetzlaff oder der Trompetenvirtuose Sergej Nakariakov auftreten.

Der unerschrockene Justus Frantz macht natürlich mit und auch mehrere Mitglieder der Berliner Philharmoniker haben spontan zugesagt, als Dirk Klapsing, der Intendant der Musiklandschaft Westfalen, bei ihnen anfragte: Solo-Klarinettist Andreas Ottensamer, Cellist Stephan Koncz sowie Noah Bendix-Balgley, der 1. Konzertmeister des Orchesters. Wird Borken jetzt der Klassik ihr Wacken?

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Langsam an!, wie man im Münsterland zu sagen pflegt. Die Künstler werden zwar leibhaftig auf der Bühne stehen, wenn sie ihre jeweils rund einstündigen Konzerte spielen, der Sound aber dringt nicht direkt ans Hörerohr. Er wird von Mikrofonen aufgenommen, abgemischt und dann per Funksignal auf eine UKW-Frequenz übertragen, die die Besucher in ihren Autoradios einstellen müssen.

Beim Blick durch die Windschutzscheibe dürften die allermeisten dann letztlich doch weniger auf die Interpreten selber schauen, als vielmehr auf ihre überlebensgroßen Konterfeis, die auf einer LED-Leinwand gezeigt werden.

Auch wenn „Livemusik“ draufsteht, ist in Borken also letztlich doch vor allem „Kinoerlebnis“ drin. Ein Fall von klassischem Selbstbetrug. Dem sich die nach Gemeinschaftserlebnissen dürstenden Münsterländer vermutlich dennoch gerne hingeben werden. Nicht Stoßstange an Stoßstange selbstverständlich, sondern mit dem gebotenen Sicherheitsabstand, wie der Veranstalter betont.

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