175. Todestag Goethes : "Franckfurt bleibt das Nest"

Johann Wolfgang von Goethe hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu seinem Geburtsort Frankfurt. "Ein leidig Loch" nannte er die Stadt 1771 in einem Brief.

Frankfurt/Main - Nachdem er sich vier Jahre später endgültig nach Weimar abgesetzt hatte, kam er bis zu seinem Tod meist nur für kurze Zeit in die heutige Main-Metropole zurück. Die Beziehung zum größten Sohn scheint auch auf Frankfurter Seite noch nicht ganz ungetrübt: Dessen 175. Todestag, der sich an diesem Donnerstag jährt, lässt die Stadt fast unbemerkt verstreichen.

Im städtischen Kulturdezernat heißt es dazu, man habe den Todestag Goethes (1749-1832) noch nie gefeiert. Immerhin hatte die Stadt dann doch eine Gedenkfeier im Römer am vergangenen Freitag angesetzt - völlig überraschend drängten sich plötzlich 600 Menschen im traditionsreichen Kaisersaal. Der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino, Träger des renommierten Büchner-Preises, erörterte mit dem Komponisten Wolfgang Rihm Goethes Einfluss auf die zeitgenössische Kunst. Jetzt hat sich die Stadt vorgenommen, die Beziehung zu Goethe auf eine feste Basis zu stellen. Künftig soll dessen Geburtstag am 28. August regelmäßig gefeiert werden. Daran sollen sich auch Goethe- Museum und Goethe-Haus beteiligen. Das Geburtshaus des Dichters zieht jährlich weit über hunderttausend Besucher aus aller Welt an.

Eine "Hass-Liebe" zur Geburtsstadt

Im kommenden August wird auch das Denkmal des Dichters an den angestammten Ort auf den Goethe-Platz in der Innenstadt zurückkehren. Die über 160 Jahre alte Bronze-Skulptur, die nach dem Krieg an verschiedenen Orten stand, wird gerade von einer Spezialfirma in Kiel saniert. Zugute halten muss man Frankfurt, dass Goethes 250. Geburtstag im Jahr 1999 mit großem Pomp begangen wurde. Damals bewies die Stadt auch Größe, als sie Goethes mitunter schwierige Beziehung zu seiner Vaterstadt in einer eigenen Ausstellung ("Franckfurt bleibt das Nest") nachzeichnete.

Einen neuen Zauber erhielt die alte Heimat für den Geheimrat durch die Romanze mit der Frankfurter Bankiersgattin Marianne von Willemer. Diese hatte Goethe, der damals schon Mitte sechzig war, 1814 kennen gelernt. Näher kamen sich dann die beiden ein Jahr später bei Goethes mehrwöchigem Besuch bei den Willemers in Frankfurt. Die ehemalige Schauspielerin und Tänzerin - 35 Jahre jünger als Goethe - inspirierte den "Dichterfürsten" nicht nur zu den Liebesversen in "Suleika", sondern steuerte auch selbst ganze Gedichte zum "West- Östlichen Diwan" bei. (tso/dpa)

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