40 Jahre Raab Galerie : Pop Art zum Geburtstag

Mit Donald Ducks Neffen am Pool: Die Berliner Raab Galerie feiert ihr 40-jähriges Jubiläum mit einer bunten Geburtstagsmischung.

Die Künstlerin Mari Kim lässt sich von japanischen Mangas inspirieren.
Die Künstlerin Mari Kim lässt sich von japanischen Mangas inspirieren.Foto: Mari Kim / Raab Galerie

„Ich bin immer für die neuesten Werke, für das Ungewisse“, sagt Ingrid Raab und schaut auf einen monumentalen Anime-Kopf, geschaffen von der Südkoreanerin Mari Kim. Es sind besondere Tage für die Galerie Raab, sie feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Ingrid Raab begeht dieses Jubiläum mit einer Ausstellung ihrer Lieblingswerke.

Nach vier Jahrzehnten hat der Name ihrer Galerie auch auf dem internationalen Parkett Gewicht – das verschafft ihr jene Autonomie, die sie anfangs gern gehabt hätte. „Ich wollte immer unbekannte Künstler neben etablierte Namen hängen“, meint Raab. Nun tut sie das und gibt jungen Künstlern so die Chance, sich zu beweisen. Die Galeristin ist mit der Zeit gegangen oder ihr womöglich ein Stück voraus: Neben Gemälden bekannter Zeitgenossen wie Rainer Fetting hängen Werke von Astrid Köhler. Die gelernte Restauratorin kauft anonyme Gemälde, teilweise vom Flohmarkt, und kombiniert sie mit japanischer Porträtmalerei und Comic- Sprechblasen. So entsteht eine neue Interpretation zeitgenössischer Pop Art.

Sowieso: Die Pop Art ist bei Raab im Jahr 2018 angekommen. In Nuno Raminhos „Sunbather“ liegt einer der Neffen von Donald Duck am Pool. Die Idee zum großen Porträt einer Infantin, für das sich Rainer Fetting von Velázquez hat inspirieren lassen, entstand in einer Ausstellung, die Raab und Fetting gemeinsam besuchten. Jahre später stellte Fetting seine Werke fertig: „Das war die Zeit, in der die ganzen Kräne am Potsdamer Platz standen“, sagt Raab und deutet auf die orangefarbenen Silhouetten vor rotem Hintergrund, die sich auf den Bildern wiederfinden.

Salomé hat Ingrid Raab gemalt, lebensgroß

Es ist eine bunte, teils grelle Geburtstagsmischung – doch der Tribut an die Populärkultur zieht sich durch nahezu alle Werke. Da sind Nina Marons Acrylporträts von Stars wie Twiggy und Audrey Hepburn, die „Okoyo Schneekiefern“ von Harald Klemm, deren zarte Pinselführung sich fast beißend von dem flamingofarbenen Punktmuster im Hintergrund absetzt, und die Skulptur von Francesco De Molfetta: Darth Vader, der einen Stormtrooper in den Armen hält wie Michelangelos Maria den sterbenden Jesus. Die Devise: gewagt und mutig. Für die Zukunft wünscht sich Ingrid Raab, dass Künstlern in Deutschland mehr Respekt gezollt wird. „Man kann Künstler ruhig mal verehren. Aber das hat der Deutsche ja nicht so gern“, sagt sie und lacht.

Diese Leichtigkeit spiegelt auch die Ausstellung: manchmal fast buchstäblich. Salomé hat Ingrid Raab gemalt, lebensgroß. Der Name des Bildes ist, bei aller Leidenschaft und Energie der Pinselstriche, beinahe liebevoll: „Meine Kunsthändlerin Ingrid Raab“. Im Bild steht sie zwischen Salomés Sumoringern, die Arme emporgereckt, Begeisterung in den Augen. Eines der Bilder hängt in ihrer Wohnung. „Jedes Mal, wenn ich daraufschaue, muss ich lachen, weil es so bescheuert ist“, sagt sie. Ingrid Raab nimmt die Kunst ernst – aber nicht zu sehr.

Raab Galerie Berlin, Goethestraße 81; bis 15. 9., Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr

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