Kultur : Ab ins Netz

Google scannt die Bayerische Staatsbibliothek

Jean-Michel Berg

Die „Google Buchsuche“ verströmt noch den Optimismus der Aufklärung. Das Unternehmen will das gesamte gedruckte Wissen digitalisieren und frei verfügbar ins Internet stellen. Eine vorläufige Betaversion ist schon online. Den neuesten Baustein zu diesem Wissensturm steuert die Bayerische Staatsbibliothek bei: Über eine Million urheberrechtsfreie Bücher dürfen von Google eingescannt werden.

Die Nachricht schlug ein. Zwar hat Google bereits die Universitätsbibliotheken von Harvard oder Oxford für sich gewonnen. Auch ist die Verbindung mit der Bayerischen Staatsbibliothek nicht die erste Allianz auf dem europäischen Festland. Aber sie ist wohl die bislang wichtigste. Immerhin ist die Bayerische Staatsbibliothek die zweitgrößte Bibliothek in Deutschland und verfügt über rare Altbestände.

Zudem wird vermutet, dass Google seine Kritiker beschwichtigen will, die eine Amerikanisierung des Wissens befürchten. Doch dem Haupteinwand kann Google nicht begegnen: die Verknüpfung von Kommerz und Wissen. Schließlich muss Google als börsennotiertes Unternehmen die Millioneninvestition wieder hereinholen. Zuletzt fürchten die Verlage um ihr Geschäft, sobald der Leser sich erst daran gewöhnt hat, Bücher online zu lesen. Gewinner sind die Bibliotheken (es schont ihre Bücher), und die Nutzer (es spart Zeit und Geld). Aber am meisten freuen sich die Bayern, vor allem Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Der verkündet, dass die Bibliothek nun „auf dem Weg ins digitale Zeitalter“ sei. Mal wieder Lederhose und Laptop.

Die Direktorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, schaut überrascht auf das Prestigeprojekt in Bayern – aber auch sie hält die Massendigitalisierung für richtig. Schneider-Kempf ist erstaunt, dass Google nicht an die Berliner Bibliothek herangetreten ist. Dabei lagern hier die größten Buchbestände Deutschlands.

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