Absage der Buchmesse wegen Coronavirus : Leipzig liest trotzdem

Die Leipziger Buchmesse, die Mittwoch beginnen sollte, ist abgesagt. Trotzdem finden viele kleinere Literatur-Veranstaltungen statt.

Die Leipziger Buchmesse ist wegen des Coronavirus abgesagt worden.
Die Leipziger Buchmesse ist wegen des Coronavirus abgesagt worden.Foto: dpa

Auch nachdem die Leipziger Buchmesse, die an diesem Mittwoch beginnen sollte, wegen des Coronavirus abgesagt wurde, sollen in den nächsten Tagen zahlreiche literarische Events in der Stadt stattfinden. Offiziell fällt zwar auch das Lesefest „Leipzig liest“ aus, doch viele Veranstalter haben sich entschlossen, die geplanten Lesungen, Vorträge und Diskussionen nun in eigener Verantwortung durchzuführen. Das Motto lautet kämpferisch: „Leipzig liest trotzdem“.

So stellt Josef Haslinger in der Bibliotheca Albertina sein Buch „Mein Fall“ vor, in dem er die Geschichte seines Missbrauchs in einem Zisterzienserstift erzählt. Im Thomasius-Club liest Jana Hensel aus ihrem Reportageband „Wie alles anders bleibt: Geschichten aus Ostdeutschland“. Das Central Kabarett lädt zu einer „Langen Leipziger Kriminacht“ mit Autoren wie Claudia Rikl, Ulf Torreck, Franziska Steinhauer und Lutz Wilhelm Kellerhoff ein. Im Deutschen Literaturinstitut sprechen Absolventen über ihre Neuerscheinungen, darunter Katja Oskamp, Kerstin Preiwuß und Christian Schulteisz.

Kriminacht und Lyrikdialog

Im Institut française treffen die Dichter Alain Lance und Volker Braun aufeinander, und der aus dem Elsass stammende Schriftsteller Olivier Guez ist mit seinem Roman „Koskas und die Wirren der Liebe“ zu Gast, der im Berlin der Nachwendezeit spielt. Zu einem Lyrikabend lädt das Verlagshaus Berlin ins Fang-Studio ein. Mit dabei sind unter anderem Lea Schneider, Caca Savic, Jan Kuhlbrodt und Max Czollek. Ingo Schulze will im Specks Hof aus seinem Roman „Die rechtschaffenen Mörder“ lesen, der von der Radikalisierung eines Antiquars handelt.

Tschechien, das 2019 Gastland der Messe war, hat ein kleines Alternativprogramm zusammengestellt. Im Haus des Buches präsentieren Markéta Pilátová und Marek Toman ihre neuen Bücher, weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit dem Werk der bedeutenden, aber hierzulande noch wenig bekannten Schriftsteller Otokar Brezina (1868-1929) und Josef Váchal (1884- 1969). Außerdem präsentiert der Prager Lyriker Adam Borzic einen neuen Gedichtband. Eine komplette Liste aller Leseveranstaltungen findet sich unter www.mdr.de/kultur.

Literaturpreis wandert ins Radio

Wer den Leipziger Buchpreis, der normalerweise am Eröffnungstag der Messe vergeben wird, bekommt, soll am Donnerstag, 12. März, im Programm von Deutschlandfunk Kultur bekannt gegeben werden. Die insgesamt mit 60 000 Euro dotierten Preise werden in den Kategorien Belletristik, Sachbuch vergeben. Die drei Preisträger sollen ab 9.05 Uhr in einer zweistündigen Sondersendung vorgestellt werden. Der Jury-Vorsitzende Jens Bisky und weitere Mitglieder des siebenköpfigen Auswahlgremiums werden ihre Entscheidungen live begründen. In der Sparte Belletristik sind die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Verena Güntner (für ihren Roman „Power“), Maren Kames („Luna Luna“), Leif Randt („Allegro Pastell“), Ingo Schulze („Die rechtschaffenen Mörder“) und Lutz Seiler („Stern 111“) nominiert.

Große Teile des Bühnenprogramms der Messe wandern nun ohnehin ins Radio. ARD und MDR Kultur planen eine „virtuelle Buchmesse“, bei der die Auftritte von Autorinnen und Autoren am Samstag, 14. März, von 10 bis 20 Uhr live im Netz und im Radio zu sehen und zu hören sein werden. Zugesagt haben unter anderem Ingo Schulze, Katja Riemann, Nora Gomringer, Abbas Khider, Hans-Joachim Maaz, Tom Kummer und Marina Frenk. Auch die Fernseh-Adaption „Best of Druckfrisch“, bei der Denis Scheck Autoren trifft und aktuelle Bestseller in die Mangel nimmt, wird übertragen. Ab 20 Uhr folgt im Radio die „ARD Radio Kulturnacht“ mit Gästen wie Lutz Seiler, Kerstin Hensel, Lana Lux und Ulla Lenze. Tsp

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