Abschiedstour der B-52's : Das Alien und der Riesenpudel

Bunt, lustig und kurzweilig war das Abschiedskonzert der B-52’s in der Zitadelle Spandau.

Abschiedsgruß an die Fans: Die B-52’s befinden sich auf ihrer letzten Tournee.
Abschiedsgruß an die Fans: Die B-52’s befinden sich auf ihrer letzten Tournee.Foto: Joseph Cultice/EMI

Fred Schneider verschwindet. Drei, vier Songs lang ist er nicht auf der Bühne, überlässt sie seinen beiden Kolleginnen Cindy Wilson und Kate Pierson. Man beginnt bereits, sich Sorgen zu machen. Ohne Schneider ist’s weniger lustig, denn seine hingebellten, fast gerappten Zeilen sind schließlich eine der Konstanten des B-52’s-Sounds –, aber dann taucht er doch wieder auf. Im Glitzertop tritt er auf die Bühne, um „Party Out Of Bounds“ anzustimmen, einen der Hits vom 1980 erschienenen, zweiten Album „Wild Planet“. Wobei, ganz grenzenlos ist die Party in der Zitadelle Spandau nicht mehr. Drei Songs später ist nämlich Schluss. Zwölf nicht einmal besonders lange Lieder, drei Zugaben: Die Band aus Athens, Georgia, jener Südstaaten-Collegestadt, aus der auch R.E.M. stammen, hat’s gern knapp.

Die insgesamt eineinhalb Stunden sind von erstaunlicher Kurzweiligkeit. Die B-52’s mögen in die Jahre gekommen sein – Schneider ist 67, Pierson 71, Wilson mit 62 Jahren das Nesthäkchen. Sie mögen in den letzten Jahren von einer Band zu einem Showact geworden sein, keine Platten mehr veröffentlichen. Wenn sie auf der Bühne mal die Keyboards bedienen oder etwas trommeln, hat das nur noch Symbolcharakter. Die Musik, die die leicht arrogante Coolness des Wave mit tief aus amerikanischen Traditionen schöpfendem Rockabilly verbindet und die ganz hervorragend gealtert ist, überlassen sie schon seit einigen Jahren meistens ihren vier hervorragenden Background- Musikerinnen und Musikern.

Der Pop der B-52’s spielt in einem anderen Universum

Aber das spielt keine allzu große Rolle, die B-52’s fanden schließlich schon immer jenseits von Raum und Zeit statt, bauten sich ihr eigenes Universum, in dem es häufig um Außerirdische ging, manchmal auch um die Liebe zu ihnen, dann noch um maximal exaltierte Outfits, völlig unmöglich erscheinende Hochsteckfrisuren und eine Menge Blödsinn. So geben vor allem die beiden Sängerinnen beim Konzert großartige Botschafterinnen in Sachen Seltsamkeit ab: Wilson im blauen Sixties- Gewand und mit Plüschstola ist so eine Art Königin, manchmal schickt sie mit den Händen kurze Grußbotschaften ins Publikum. Ihr Gesicht ist unter dem hochgetürmten Bee-Hive erst erkennbar, als sie endlich die weiße Riesensonnenbrille ablegt. Sie kiekst bisweilen Operntöne, niemanden würde es wundern, würde sie plötzlich Arien schmettern.

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Pierson trägt einen irre gerafften Hosenanzug, der sowohl an einen Riesenpudel als auch an japanische Backwaren erinnert, er ist ebenso pink wie ihre Perücke. Stimmlich ist sie die Konstante des Abends. Und Schneider? Manchmal scheint ihm langweilig zu sein. Dann dirigiert er die Fans, macht zwei Drumsticks zu Teufelshörnern, steht ab und an einfach nur herum. Das Publikum sieht’s ihm nach, scheint selten begeistert, aber stets erfreut, dabei zu sein. Es ist die letzte Tour der B-52’s. Irgendwann ist jede Party vorbei.

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