Alle Wetter (8) : Urlaub im Sternenpark

Urlaubszeit ist Draußenzeit. Und wie war das Wetter?, wollen die anderen wissen. Wir erzählen Geschichten von Sonnenbrand bis Dauerregen oder Finsternis.

Sternschnuppe am Nachthimmel über Brandenburg.
Sternschnuppe am Nachthimmel über Brandenburg.Foto: Patrick Pleul/dpa/pa

Alle schwärmen vom Licht, von den Sonnenreflexen auf dem Wasser, vom strahlend blauen Himmel. Wer jedoch von einem finsteren Urlaub spricht, meint in der Regel das Gedränge am tristen Abendbüfett, tierische Mitbewohner in der Ferienwohnung oder den aufgebrochenen Mietwagen. Dabei ist es die Dunkelheit, die sich zum wahren Luxus für Stadtmenschen entwickelt hat.

Unter der Glocke aus Lichtsmog, die unseren Nächten ihre wahre Tiefe raubt, sterben Milliarden von Insekten, kommen Vögel vom Kurs ab, welken Bäume dahin. Auch der Schlaf leidet und die Orientierung geht flöten. Manch einer hält den trüben Widerschein der Städte allen Ernstes für den Schleierschweif der Milchstraße.

Wer nach finsteren Reisezielen sucht, landet dort, wo im touristischen Sinne nichts los ist. Keine Autobahn, kein Flughafen, keine Straßenlaternen. Als Karte für die Auswahl taugt die nächtliche Aufnahme der Welt vom All aus gesehen. Jedes Jahr wird sie ein Stück heller.


Selbst im dicht besiedelten Europa findet sich Dunkelheit

Doch selbst im Herzen des alten Mitteleuropas haben sich finstere Stellen erhalten, etwa dort, wo die Hügel des südsteirischen Weinlands unbemerkt über die Grenze nach Slowenien rollen und eine erleuchtete Wallfahrtskapelle den einzigen nächtlichen Fixpunkt darstellt. Darüber nur Dunkelheit, die sehend macht: Gestirne, Sternennebel, Schnuppen.

Wer zur Sommersonnenwende nach Finnland reist, tut dies gern in dem Glauben, hinter zugezogenen Vorhängen Schlaf zu finden, während es draußen höchstens dämmert. Wo der Kontrast abnimmt, lösendie Konturen sich auf. Wir hoffen auf einen Urlaub, bei dem uns jemand gnädig den Stecker zieht und alles dunkel wird um uns herum. Wo das Licht nicht beschützt, was wir haben, sondern wir im Angesicht der Sterne erkennen, was wir sind. In den „Starlight Reserves“ der Unesco gilt das Vollmond-Kriterium: Die künstliche Nachtbeleuchtung muss unterhalb der natürlichen bleiben. Da geht es hin. Um zu sehen, um zu schlafen.

Bisher erschienen: „Kugelblitze“ (13.7.), „Meeres leuchten“ (16.7.), „Cabrio“ (19.7.), „Blitz komm raus“ (22.7.), „Zwiebelsäckchen“ (26.7.)., „Ein bisschen Matsch“ (29.7.), „Fahrenheit 120“ (1.8.).

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