"Altstadtmillion" : Das Wunder geht weiter

Oberbürgermeister Joachim Paulick spricht mittlerweile ehrfürchtig vom "Wunder von Görlitz". Bereits zum 13. Mal stellt ein anonymer Spender der Stadt für die Sanierung denkmalgeschützter Häuser eine hohe Geldsumme zur Verfügung.

Görlitz - Bundesweit scheint die Geschichte der so genannten Altstadtmillion einmalig zu sein. Seit 1995 geht diese Spende alljährlich auf dem Konto der sächsischen Stadt ein - ohne Namen, ohne den Wunsch nach einer Spendenquittung. Oberbürgermeister Paulick ist sich sicher, dass sich der anonyme Gönner in die schöne Stadt verliebt hat und vollkommen uneigennützig ihre Entwicklung unterstützen möchte.

511.500 Euro überweist der oder die Unbekannte bislang jährlich. Vor der Währungsumstellung zum Euro entsprach dies genau einer Million D-Mark. Die "Altstadtmillion" wurde jedoch nie selbstverständlich, wie Paulick betont. Mit ihrer Hilfe konnten bis heute mehr als 500 Objekte saniert werden. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem barocke Grabhäuser auf dem im 14. Jahrhundert eingerichteten Nikolaifriedhof restauriert. Dort fanden Persönlichkeiten wie der Philosoph Jacob Böhme (1575-1624), Luthers Wegbegleiter Martin Moller (1547-1606) oder Johann Wolfgang von Goethes Muse Minna Herzlieb ihre letzte Ruhestätte.

Entscheidung über neue Förderanträge

Neben der Restaurierung von Renaissance-Holzdecken oder Portalen konnte laut Paulick im vergangenen Jahr mit Hilfe des Geldes mit der Wiederherstellung eines etwa 130 Jahre alten Pferdestraßenbahnwagens begonnen werden. Das historische Gefährt war durch Zufall in einer Kleingartenanlage gefunden worden. Über die für dieses Jahr vorliegenden Förderanträge wird das Kuratorium der Altstadtstiftung in den kommenden Wochen entscheiden.

Nachdem viele Jahre nichts gemacht wurde, habe die Stadt auch dank der großzügigen Spende nun einen guten Sanierungsstand ereicht, sagt Paulick. Er schätzt, dass etwa 60 Prozent der Denkmäler wieder in einem guten Zustand sind. Dennoch sei noch viel Arbeit nötig, um die rund 4000 historischen Gebäude, Kirchen und Plätze wiederherzustellen und zu erhalten. Darum sind die Stadt und ihre Bürger dem anonymen Gönner auch "unwahrscheinlich dankbar", betont Paulick. Als Zeichen dafür wurden an den mit Hilfe der "Altstadtmillion" sanierten Gebäuden kleine Plaketten angebracht.

Rathaus will keine Spekulationen

Vor knapp zwei Jahren war der unbekannte Spender im italienischen Sassocorvaro sogar mit dem Rotondi Award ausgezeichnet worden. Der Preis indes wurde von der Stadt Görlitz entgegengenommen und steht seitdem im Rathaus. Obwohl der Spender über seinen Anwalt darüber informiert wurde, scheint auch diese Auszeichnung ihn nicht aus der Anonymität locken zu können. Aus dem Rathaus hieß es bisher immer, wenn das Geheimnis um den Spender gelüftet werde, versiege die Quelle. Darum beteiligt sich dort niemand an Spekulationen und ist glücklich, "dass Görlitz der Zukunft mit dem Segen eines besonderen Schutzengels entgegensieht". (Von Romy Richter, ddp)

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