Anderson .Paak in Berlin : Schwitzen im Meer der Leiber

Anderson .Paak schaffte den Sprung vom Schlagzeuger zu einem der größten Hip-Hop-Künstler. Beim Konzert in der Berliner Columbiahalle wird er gefeiert.

Anderson .Paak
Anderson .PaakFoto: Stones Throw Records

Und es gibt sie doch noch. Diese Konzertabende, an deren Ende man schwindelig in Richtung Ausgang taumelt. Um den Kopf im Märzwind abzukühlen, weil die Synapsen überhitzt sind, angesichts dessen, was sich da auf der Bühne zutrug. Anderson .Paak hatte in die Columbiahalle geladen. Ausverkauft. Kein Wort des Trostes für die Verzweifelten auf Ticketsuche. Vorher nicht – hinterher erst recht nicht.

Lässigkeit und Virtuosentum

Auf einem Podest hinter einem transparenten Vorhang beginnt Paak am Schlagzeug. Im knallbunten Hawaiihemd trommelt er die ersten Takte von „The Chase“, dem Opener seines letzten Albums „Oxnard“. Drumherum die fünfköpfige Band The Free Nationals, angesteckt von der übersprühenden Energie ihres Zeremonienmeisters. Ist das nun Funk, Jazz, R’n’B oder Hip-Hop? Selten klang eine Synthese so selbstverständlich. Unablässig wechselt Paak zwischen Schlagzeug und Mikrofon. Zuweilen legt er seine Reime auch mit entspannter Lässigkeit über die eigenen komplexen Polyrhythmen.

In einer kalifornischen Baptistengemeinde hat der heute 32-jährige Paak das Schlagzeugspiel erlernt. Beide Eltern saßen in seiner Jugend im Gefängnis. Vor wenigen Jahren noch lebte er mit Frau und Kind zwischenzeitlich in der Obdachlosigkeit. Nichts von dieser Schwere der Vergangenheit ist in Berlin zu spüren. „Oxnard“ wurde von Dr. Dre produziert. Von Snoop Dogg über Kendrick Lamar bis hin zu Pusha T ist die Weltspitze des Hip-Hops darauf vertreten. Zu glatt produziert, zu überfrachtet, monierten Kritiker.

Jubel im Konfettigestöber

Live aber beginnen diese Songs zu atmen, eine enorme Sogwirkung zu entfalten. Nie wirkt es durchchoreografiert, Paak zu keinem Zeitpunkt gesättigt. Wo andere Rapper hinter einer Wand von Personenschützern abgeschirmt werden, stürzt sich der Künstler in das Meer an schwitzenden Leibern. Seine Band bekommt den Raum für Soli und Jams.

Mit einer Coverversion von „Dang!" verneigt sich Paak gegen Ende vor seinem verstorbenen Rapkollegen und Freund Mac Miller. Und das Publikum verneigt sich vor Paak. Kaum ist die Band noch zu hören, so ohrenbetäubend ist der Jubel im Konfettigestöber des Finales. Anderson.Paak sagte mal, dass er seinen Künstlernamen mit einem Punkt in der Mitte schreibe, um an die Wichtigkeit von Details erinnert zu werden. An diesem Abend brachte er es auf den Punkt, in jedem Detail.

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