Andrew Lloyd Webber zum 70. : Mr. Musical

Nach dem "Phantom der Oper" wollte ihm nichts mehr gelingen - bis zur Premiere von "School of Rock". Jetzt feiert Andrew Lloyd Webber, der Musical-König der 80er Jahre, seinen 70. Geburtstag.

Alter Ego. Andrew Lloyd Webber (Mitte) Seite an Seite mit seinem Phantom (links).
Alter Ego. Andrew Lloyd Webber (Mitte) Seite an Seite mit seinem Phantom (links).Foto: dpa/Charisius

Mehr als 25 Jahre lang sah es so aus, als ob Andrew Lloyd Webber seine Fähigkeit verloren hätte, die Massen zu begeistern. Alle acht Stücke, die er nach seinem 1986er Mega-Hit „Das Phantom der Oper“ herausbrachte, floppten oder errangen gerade mal Achtungserfolge, selbst die Fortsetzung des „Phantoms“ unter dem Titel „Love never dies“. Dann aber brachte er im Dezember 2015 „School of Rock“ am Broadway heraus, die Bühnenadaption von Richard Linklaters Film von 2003. Und ausgerechnet mit einer Komödie kam der Erfolg zurück. Das Stück spielen sie immer noch in New York, seit November 2016 läuft es auch im Londoner Westend. Dass der hierzulande dominante Unterhaltungskonzern Stage Entertainment noch nicht nachgezogen hat, liegt wohl nur am strengen deutschen Jugendarbeitsschutzgesetz. Denn Kinder spielen die Hauptrolle in der Show, bei der es um einen Band- Wettbewerb unter Schülern geht – und dessen Libretto skurrilerweise von Julian Fellowes stammt, dem Autor der TV–Serie „Downton Abbey“.

Mit einer Schulaufführung begann es auch

Fast möchte man sagen: Andrew Lloyd Webber ist zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt. Denn „Joseph and the amazing technicolor dreamcoat“, das Debüt des 20-Jährigen von 1968, entstand für eine Londoner Schulaufführung. Die Idee, den alttestamentarischen Stoff der Josefslegende in einem Pop-Kantate umzuformen, bei der diverse Hitparadenstile von Country bis Calypso durchgespielt werden, war damals ein ebenso witziger wie innovativer Ansatz. Dem mit „Jesus Christ Superstar“ (1971) und „Evita“ (1978) weitere außergewöhnliche, für eine Erneuerung des Musicals bahnbrechende Stücke folgten.

Gekrönt wurde Webbers Siegeszug 1981 durch „Cats“, seine beste, avancierteste Partitur. Doch wie einst den Operettenkönig Franz Léhar drängte es auch den Engländer nach Höherem: nach dem großen Pathos nämlich. Also komponierte er „Das Phantom der Oper“ – und gab damit dem Genre noch einmal eine Wendung, weg von der musical comedy, hin zum musical drama. Andere Komponisten folgten erfolgreich dem Vorbild, nur dem Trendsetter Webber wollte partout kein zweiter Schmachtfetzen gelingen.

Als fünftreichster Bürger des britischen Königsreichs mit einem geschätzten Vermögen von 640 Millionen Pfund hätte sich Andrew Lloyd Webber natürlich einfach auf sein Anwesen in Hampshire zurückziehen können. Dass ihm mit „School of Rock“ der Beweis gelang, dass er es doch noch draufhat, versüßt ihm zweifellos seinen heutigen 70. Geburtstag.

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