Angélique Kidjo beim Wassermusik-Festival : Das Leben ist ein Karneval

Markanter Afrobeat, opulente Bläsersätze und eine ausgelassene Tanzparty: Singer-Songwriterin Angélique Kidjo beim Wassermusik-Festival.

Roman Rhode
Panafrikanische Ikone. Angélique Kidjo im Haus der Kulturen der Welt.
Panafrikanische Ikone. Angélique Kidjo im Haus der Kulturen der Welt.Foto: Thilo Rückeis

Der Lichtkegel fällt auf einen majestätischen Pagne, in dem die 58-jährige Sängerin aus Benin auf die Bühne tänzelt: eine gewickelte Batik-Tracht in kräftigem Orange. Auf das neue Projekt, das Angélique Kidjo beim Wassermusik-Festival auf der Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt präsentiert, wirkt dieses Outfit wie zugeschnitten. Denn das jüngst erscheinene Album „Celia“ ist Kidjos Tribut an die legendäre Salsa Queen Celia Cruz.

Mit lateinamerikanischen Rhythmen hat Kidjo allerdings nichts am Hut. Ihr geht es darum, die afrikanischen Wurzeln der populären Kubanerin freizulegen. Das tut Kidjo, indem sie Celia Cruz’ Liedern ein markantes musikalisches Afrobeat-Gewand verpasst: Opulente Bläsersätze, eine klirrende Highlife-Gitarre, einen wuchtigen Bass und vertrackte Percussion. Auf ihrem Album werkelt Tony Allen, der alte Mitstreiter des Afrobeat-Pioniers Féla Kuti, an den Drums, die US-amerikanische Musikerin Meshell Ndegeocello spielt den Bass.

Zeremonienmeisterin mit Stimmgewalt

Zwar fehlt solche Prominenz auf der Tournee, Kidjo wird jedoch von einem äußerst schlagkräftigen – rein männlichen – Oktett begleitet. Und die Sängerin brilliert als Zeremonienmeisterin und durch ihre Stimmgewalt. Mit ihrem glasklaren Gesang, etwa bei „Yemayá“ und „Eleguá“, balladesken Beschwörungen der Yoruba- Gottheiten, kann sie ihrem Vorbild durchaus das Wasser reichen. Auch das spanische R, das Celia Cruz genüsslich prononcierte, rollt Kidjo vortrefflich am harten Gaumen. Dabei bleibt die Künstlerin stets sie selbst. Als sie nach dem ersten Song ihr aufwendiges Kopftuch ablegt, kommt ihr kurzgeschorener Kopf zum Vorschein; Celia Cruz hingegen trug schillernde Perücken.

„Are you ready to funk?“ fragt sie irgendwann ins jubelnde Publikum. Auch das ist Teil ihres Programms, wie Angélique Kidjo betont: die Reafrikanisierung des Rock’n’Roll. Also funkelt der Bass, Trompete, Posaune und Saxofon spielen pfefferscharf auf, während Perkussionist und Schlagzeuger einen mächtigen Groove ausrollen. Celias Cruz’ moderner feel good song „La Vida Es Un Carnaval“ und „Crosseyed And Painless“ von den Talking Heads verstehen sich prächtig. Dazu tanzt Kidjo wie ein eleganter kontrollierter Wirbelwind. Als sie „Ashé Mama Afrika“ intoniert, die Hymne an ihre panafrikanische Heimat, bezieht sie auch das Publikum in den Gesang ein und macht sogar einen kleinen Ausflug in die Menge. Später öffnet sie die Bühne für rund zwei Dutzend Fans, die das Konzert in eine ausgelassene Tanzparty verwandeln. Sie endet mit einer letzten Verbeugung vor einem großen Kidjo-Vorbild: „Pata Pata“ von Miriam Makeba.

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