Aquaristik und Kunst : Aquarium Berlin

Unterwasserwelten, Stadt und Kunst. Am U-Bahnhof Kleistpark lädt die Ausstellung "Power Cage - Experimentalraum Aquarium" zum Abtauchen ein.

Newsroom. Ein Aquarium mit nachrichtlich relevantem Inhalt hat Antje Vowinckel geschaffen.
Newsroom. Ein Aquarium mit nachrichtlich relevantem Inhalt hat Antje Vowinckel geschaffen.Foto: Miriam Otte

Aquaristik ist ein unterspieltes Feld in der Kunst. Gut, Damien Hirst legt gerne Haie in Formaldehyd ein. Doch das ist eine eher triste Variante des von quicklebendigen Meeresbewohnern bewohnten Wasserbassins. Und der kommerzielle Ableger der Zierfisch-Bewegung, der Aquadom in Mitte, sonst eifriger Konkurrent des Zoo-Aquariums, ist wegen Sanierung geschlossen. Da kommt die Ausstellung „Power Cage“ im Berliner State Studio gerade recht.

Der Kunstraum im Betonneubau an der Ecke Hauptstraße und Grunewaldstraße zeigt diese und kommende Woche den „Experimentalraum Aquarium“. Mittels gluckernder Rohrleitungsinstallationen, begehbarer Muschelskulpturen aus gefaltetem Papier und berauschter Videokunst, die die Sehkraft eines Tintenfischs in der Tiefsee abstrahiert, feiern 15 Künstlerinnen Jeanne Villepreux-Power.

Meeresforscherin. Jeanne Villepreux-Power gilt als Erfinderin des Aquariums.
Meeresforscherin. Jeanne Villepreux-Power gilt als Erfinderin des Aquariums.Foto: André-Adolphe Eugène Disdéri/Power Cage

Die 1794 geborene französische Pionierin der Meeresbiologie entwickelt Aquarien, um darin Weichtiere zu erforschen – und löst damit eine Welle bürgerlicher Begeisterung aus. Der Ozean im Wohnzimmer wird populär. Arztpraxen und Friseurläden zehren bis heute von der Aura der Unterwasserwelten. Aquarien ersetzen Fernseher, ja sogar Hausaltäre.

Manche gleichen in ihrer Kombination aus farbenprächtigen Fischen, Korallen und Seesternen Kunstwerken ohne Rahmen. Die Schatzkammer der Meere, von menschlicher Schöpferhand geformt.

Ein gelungener Gag ist, was die Künstlerin Sabine Ercklentz daraus macht. Ein Kopfhörer mit Textcollage samt dem eingekastelten Blick aus dem Fenster – fertig ist ihr „Homosphärium“. Der U-Bahnhof Kleistpark, Autos, Passanten, kurz das putzige städtische Treiben, wird von einem namenlosen Zoologen beobachtet und analysiert.

Papier.Falten. Die mehr als Menschen hohe Skulptur von Christina Ertl-Shirley und Ruth Waldeyer ist einem Argonauten nachempfunden.
Papier.Falten. Die mehr als Menschen hohe Skulptur von Christina Ertl-Shirley und Ruth Waldeyer ist einem Argonauten...Foto: Miriam Otte

Wie eine unbekannte Spezies im Aquarium. „Zur Kompensation der körperlichen Insuffizienz hat das Homo Sapiens Werkzeuge entwickelt, insbesondere den im Homosphärium häufig zu sehenen PKW, ein individuell steuerbares Gefährt auf vier Rädern“, heißt es da beispielsweise.

Apropos Autos und Ozean: „Zierfische“, die stets von dröhnendem Verkehr umtoste, schönste Leuchtreklame der Stadt warb bis vor zehn Jahren für eine Zoohandlung am Frankfurter Tor. Der elegante, von blubbernden Fischlein flankierte Schriftzug trug das blaue Strahlen maritimer Welten weit in die graue Stadt hinein. Nun ist er wieder zu sehen. Als Paradestück des famosen „Buchstabenmuseums“, das jetzt am S-Bahnhof Bellevue ein neues Quartier gefunden hat.

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[Power Cage im State Studio, Hauptstraße 3, Schöneberg, bis 7.12. , tgl. 12-19 Uhr (6.12. geschlossen). Buchstabenmuseum, Stadtbahnbogen 424, 10557 Berlin, Do-So 13-17 Uhr]

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