Archäologische Grabungen in Woodstock : Ein Festival der Liebe

Love, Peace & Happiness werden siegen: Woodstock bereitet sich auf sein 50-jähriges Jubiläum vor.

Christian Schröder
Trat nicht in Woodstock auf, schrieb aber den berühmtesten aller Woodstock-Songs: Joni Mitchell.
Trat nicht in Woodstock auf, schrieb aber den berühmtesten aller Woodstock-Songs: Joni Mitchell.Foto: dpa

Stardust. Sternenstaub. Was bleibt von ihm, hinterlässt er Spuren? „We are stardust, we are golden“, singt Joni Mitchell in ihrer berühmten Ballade, die „Woodstock“ heißt. Dabei hatte die Sängerin die Einladung zum größten aller Rockfestivals ausgeschlagen. Während sich fast eine halbe Million Hippies auf den sanft hügeligen Schaf- und Kuhwiesen des 5000-Einwohner-Städtchens Woodstock versammelten, steckte sie 500 Kilometer weiter südlich in New York fest. Ihr Manager hatte sie für die Fernsehshow des Talkmasters Dick Cavett gebucht.

Kiffen im Schlamm

So musste Mitchell im Fernsehen mit ansehen, wie Jimi Hendrix die amerikanische Nationalhymne im Feedbacklärm seiner E-Gitarre shredderte, wie drei Tage lang zuerst die Sonne schien und es dann Katzen und Hunde regnete, wie die Menschen immer schlammiger, bekiffter, glücklicher wurden. Aber sie wusste sofort, was das alles bedeutete: Mit Woodstock hatte ein neues, langhaariges Zeitalter begonnen, die Ära der Blumenkinder und eines anderen, besseren „Wir“. „We are stardust, billion year old carbon.“

Dosenverschlüsse als Reliquien

Jetzt wird gegraben. Den Sternenstaub, Milliarden Jahre alten Kohlenstoff, haben die Pop-Archäologen noch nicht entdeckt, die seit einiger Zeit den historischen Schauplatz durchwühlen. Dafür stießen sie auf Scherben, Dosenverschlüsse und Reste von Pfählen, die den einstigen Standort von Bühne und Lautsprechertürmen markieren. „Wir sind verpflichtet, diesen Ort respektvoll zu behandeln“, sagt der Direktor des Bethel Woods Museums, das die Reliquien aufnehmen soll. Woodstock ist ein Mythos. Je länger es zurückliegt, desto größer wird er. Man muss nicht dagewesen sein, nicht einmal den dreistündigen Dokumentarfilm „Woodstock – 3 Days of Peace & Music“ von 1970 oder Ang Lees Historiendrama „Taking Woodstock“ von 2009 gesehen haben, um zu wissen, was auf den Feldern des Milchbauern Max B. Yasgur passierte. Joan Baez sang „We Shall Overcome“, als das Gewitter begann. Pete Townshend stieß einen Kameramann von der Bühne. Joe Cocker wurde im Hubschrauber eingeflogen: „Unter mir Köpfe, Köpfe, Köpfe. Ich hatte Angst.“

Zu viele Köpfe

Der „Tagesspiegel“ druckte 1969 eine 30-Zeilen-Meldung mit der Überschrift „Schlagerfestival zu beliebt“. Darin ging es um verstopfte Straßen und Jugendliche, die „wie ein Heuschreckenschwarm“ in ein „ vor allem bei älteren Leuten als Urlaubsort beliebtes Bergnest“ eingefallen seien. Der Name Woodstock fiel nicht. Zum 50-jährigen Jubiläum plant der Musikproduzent Michael Lang, der das Festival von 1969 organisierte, ein Remake. Das Programm steht noch nicht fest, aber die Botschaft ist klar: „Wir wollen die Menschen dazu inspirieren, sich zu Wort zu melden und uns zu helfen, den Planeten zu retten.“ Love, Peace & Happiness werden siegen.

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