Architektur der Moderne in Berlin : Bausünden oder Kulturerbe?

Bauten der Moderne prägen das Berliner Stadtbild. Die Triennale der Moderne fragt: Welche Lektionen lassen sich aus ihnen heute lernen?

Blick in die Großsiedlung Siemensstadt in Berlin. Die ersten Wohnungen wurden zum 1. April 1930 bezogen.
Blick in die Großsiedlung Siemensstadt in Berlin. Die ersten Wohnungen wurden zum 1. April 1930 bezogen.Foto: Stephanie Pilick

Meistens weiß getüncht und ein bisschen klobig stehen sie in der Landschaft. Zahlreiche ikonische Bauprojekte der Moderne wie die Siemensstadt und die Weiße Stadt Reinickendorf prägen das Stadtbild von Berlin. Oft liegt der Drang nahe, sie als Bausünden vergangener Epochen abzutun.

Um der Öffentlichkeit eine neue Wertschätzung für diese Bauten zu eröffnen, findet bis zum Sonntag zum dritten Mal die Triennale der Moderne statt. An den vergangenen Wochenenden hatte die Veranstaltungsreihe schon in den Bauhausstädten Weimar und Dessau haltgemacht. Nun bildet Berlin als letzte Station den Abschluss der Triennale.

[Weitere Infos: www.triennale-der-moderne.de/berlin-2019]

Angeboten werden geführte Touren zu verschiedenen Stätten der modernen Architektur wie der von Otto Bartning errichteten Gustav-Adolf-Kirche in Charlottenburg mit ihrem hellen, in Stufen ansteigenden Glockenturm oder der Hufeisensiedlung in Britz.

So soll auch die Frage im Fokus stehen, welche baulichen Lektionen sich auf aktuelle Probleme der Stadtgestaltung übertragen lassen. Hinsichtlich ihrer Grundrisse, ihrer Materialien und Ausstattung seien die zum Teil als Weltkulturerbe anerkannten Bauten bis heute vorbildlich, sagte die Präsidentin der Architektenkammer Berlin, Christine Edmaier, anlässlich der Triennale-Eröffnung.

Gleichzeitig könne man als Architekt heute nicht sagen, „machen wir es doch wie in den Zwanzigerjahren“. Viele der Siedlungen seien ohne Absprachen mit der Zivilgesellschaft entwickelt worden. Deshalb müsse man sich immer auch kritisch mit den Folgen der modernen Architektur auseinandersetzen.

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Anlaufstelle ist die Festivalzentrale auf dem Ernst-Reuter-Platz. Dort informiert eine Ausstellung über die Siedlungen der Moderne. Darüber hinaus werden in den folgenden Wochen verschiedene Workshops angeboten, etwa zum Wirken jüdischer Architekten.

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