Argentinien : Rauschender Beifall für Schygulla

Hanna Schygulla hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Beim 22. Filmfestival im argentinischen Seebad Mar del Plata gab die Schauspielerin ein umjubeltes Konzert.

Mar del Plata - "Als Kind habe ich immer davon geträumt, Tänzerin oder Sängerin zu sein, aber komischerweise nie davon Schauspielerin", sagte sie. Schygulla nahm das argentinische Publikum bei dem Konzert "Aus meinem Leben - Eine musikalische Biographie" mit auf eine Reise durch ihr professionelles Leben.

Die Fassbindermuse interpretierte Lieder unterschiedlichster Genres: von deutschen Nachkriegs-, Kinder- und Jugendliedern wie "Wochenend und Sonnenschein", "Lili Marleen" und Brechts "Mackie Messer" über Piaf, The Rolling Stones und Jazz bis zu argentinischen Tangos, die rauschenden Beifall im Publikum auslösten.

Träume vor der Kamera

In Mar del Plata singt die gebürtige Polin jedoch nicht nur, sondern dort wird auch ihr erster eigener Film vorgeführt. "Traum-Protokolle" basiert auf Material, das 1978 von Schygulla selbst gedreht wurde. Sie spielt ihre eigenen Träume vor der Kamera wieder, es sei wie "eine Entdeckungsreise ins Unbewusste", erzählt sie. "Wenn er träumt, ist der Mensch ein sehr gewagter Dichter", sagt Schygulla.

Den Anstoß zu dem Projekt habe Fassbinder gegeben, der mit Schygulla als Co-Autorin einen Film drehen wollte. Durch den Freitod eines engen Freundes Fassbinders sei jedoch alles abgebrochen und der Film nie verwirklicht worden. Aus Enttäuschung habe sie dann selbst zur Kamera gegriffen. Das Material sei erst 2005 wieder aufgegriffen und geschnitten worden, als ihr im Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive gewidmet wurde. Es gebe auch schon ein zweites Filmprojekt, einen Kurzfilm über das Holocaust-Denkmal in Berlin.

Faszination Lateinamerika

Schygullas Bewunderung für Lateinamerika habe schon vor Jahren begonnen, als sie auf Kuba die Hauptrolle in dem Film "Ich verleihe mich zum Träumen" spielte. Nach Kuba habe sie dann durch Borges' Literatur Argentinien kennen gelernt, und der Filmklassiker "Orfeu Negro" und Maria Bethanias Stimme hätten ihr Interesse an Brasilien geweckt. Inzwischen sei sie eine gute Bekannte der brasilianischen Starsängerin, mit der sie auch schon zusammen ein Konzert gab.

In Bezug auf das argentinische Publikum zeigte sich Schygulla begeistert: "Die Leute sind so expressiv, singen spontan mit und man wird nach dem Konzert gedrückt. Sie geben zurück, wenn sie etwas erlebt haben". Was Schygulla an Lateinamerika so fasziniert, sei die Fähigkeit, sich bei jeder Gelegenheit und wo es auch nur geht zu freuen. Für sie sei das "eine hohe Kunst des Lebens". (tso/dpa)

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