Auflösung des biografischen Weihnachtsrätsels : Ihr Leben prägte die Wüste

Fluch und Segen, Lust und Qual, Inspiration und Verzweiflung: Bei den zehn gesuchten Persönlichkeiten spielte die Wüste eine entscheidende Rolle.

1. St. John Philby
1. St. John PhilbyFoto: imago/United Archives Internatio

1 St. John Philby (1885 –1960) wurde im damaligen Ceylon geboren und studierte orientalische Sprachen. Dutzende Male durchquerte er die Wüsten der Arabischen Halbinsel, nie ohne Brandy im Gepäck. Er half mit, Saudi-Arabien zu gründen und war eng befreundet mit dem Herrscher Ibn Saud, der ihm ein blutjunges Mädchen als (Zweit-)Frau schenkte. Er fädelte die Ölgeschäfte ein, die zu Aramco führten. Nach dem Tod Ibn Sauds 1953 kritisierte er Luxus und Müßiggang in Saudi-Arabien – und wurde des Landes verwiesen. Er starb in Beirut, nach einem Alkoholexzess.

2 Synkletika von Alexandrien
2 Synkletika von AlexandrienFoto: orthopedia

2 Synkletika von Alexandrien (geb. um 300) auch Amma Synkletika, war eine sogenannte Wüstenmutter und frühchristliche Vorreiterin der Gleichstellung. Sie stammte aus einer ranghohen Familie mazedonischer Herkunft und soll sehr schön gewesen sein. Das Erbe ihrer Eltern verteilte sie an die Armen und lebte mit ihrer blinden Schwester asketisch in der ägyptischen Wüste. Sie starb nach einer schweren Krankheit, die ihr Gesicht völlig entstellte.

3 Armin T. Wegner  
3 Armin T. Wegner  Foto: mauritius images

3 Armin T. Wegner (1886 –1978). Der expressionistische Dichter und Pazifist wurde ab 1915 Zeuge von Vertreibung der Armenier. Seine Fotografien und Notizen zeugen davon. Die Hoffnung, dass deutsche Politiker intervenierten, erfüllte sich nicht. Auch der amerikanische Präsident Wilson blieb untätig angesichts des Völkermords. Über seine Erlebnisse hielt Armin T. Wegner Vorträge und plante auch, einen Roman darüber zu schreiben. Das Werk blieb unvollendet. 1920 heiratete er die jüdische Schriftstellerin Lola Landau und zog mit ihr nach Neuglobsow am Stechlinsee. 1933 emigrierte er nach Italien, 1938 wurden seine sämtlichen Schriften in Deutschland verboten.

4 Jean-Francois Champollion
4 Jean-Francois ChampollionFoto: imago/Leemage

4 Jean-François Champollion (1790 –1832) entzifferte die ersten Hieroglyphen auf dem Stein von Rosette. Eine vergrößerte Nachbildung dieses Steins, eines Fragments einer antiken Tafel zu Ehren des ägyptischen Königs Ptolemaios V., ist auch in Champollions Geburtsort im französischen Figeac auf dem sogenannten Place des Écritures („Platz der Schriften“) zu sehen.

5 Eugen Bracht
5 Eugen BrachtFoto: ullstein bild/ Theordor Penzbpk

5 Eugen Bracht (1842 –1921) war einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Nach Studien in Düsseldorf und Karlsruhe wanderte er 1864 nach Verviers in Belgien aus und ließ sich zum Wollhändler ausbilden. 1870 zog er nach Berlin und widmete sich bald wieder der Malerei. 1880 unternahm Bracht seine erste Orientreise nach Palästina, Syrien, Jordanien und Sinai. Eine zweite folgte 1891. Doch künstlerisch brachten ihn diese Reisen nicht weiter. Erst als er freier malte, fand er Frieden, doch die Gunst des Kaisers verlor er.

6 Thierry Sabine
6 Thierry SabineFoto: Dominique Faget/AFP

6 Thierry Sabine (1949 – 1986), gründete 1978 die Rallye Paris Dakar. Die Idee dazu hatte er im Jahr zuvor, als er auf einer Wüstenrallye für Tage verschollen war. Sie passte zu seinem Lebensmotto: „Wenn dein Leben langweilig wird, riskiere es.“ Sabine organisierte den hoch riskanten, für Fahrer und Zuschauer nicht selten tödlichen Wettbewerb und starb selbst bei einem Hubschrauberabsturz in der Wüste. Heute heißt das Rennen nur noch Rallye Dakar und führt nicht mehr durch Afrika. Das jüngste fand in Saudi-Arabien statt.

7 Alexandrine Tinné
7 Alexandrine TinnéFoto: Universal Images Group via Getty

7 Alexandrine Tinné (1835 – 1869), Sie hatte das Glück, in einer wohlhabenden niederländischen Kaufmannsfamilie aufzuwachsen, die ihren Talenten viel Freiraum gab. Mit ihrer Mutter bereiste sie den Nil und lernte Arabisch. Von Algier aus startete sie die verhängnisvolle Wüstenexpedition. Obwohl ihr Geleitschutz zugesagt worden war, wurde sie am 1. August 1869 in der libyschen Sahara tödlich verwundet. Sie wurde nur 33 Jahre alt.

8 Giacomo Puccini
8 Giacomo PucciniFoto: imago images/Kharbinc-Tapabor

8 Giacomo Puccini (1858 – 1924), Der französische Komponist Jules Massenet hatte 1884 mit der Vertonung des „Manon Lescaut“-Romans von Abbé Prevost einen Riesenerfolg gelandet. Das hielt den ehrgeizigen jungen Puccini aber nicht davon ab, dasselbe Sujet zu wählen. Die Uraufführung 1893 in Turin wurde für ihn zum Durchbruch. Heute wird Puccinis Oper häufiger gespielt als die Massenets.

9 Isabelle Eberhardt
9 Isabelle EberhardtFoto: getty images

9 Isabelle Eberhardt (1877 – 1904), wurde hineingeboren in eine schillernde Patchwork-Familie in Genf. Die Kinder wurden von einem Hauslehrer unterrichtet. Mit ihrer Mutter fuhr Isabelle nach Algier und kleidete sich im Stil arabischer Männer. Sie konvertierte zum Islam, rauchte Marihuana, trank unmäßig und hatte ständig neue Liebhaber. Immer wieder zog es sie in die Wüste. Sie starb, als ihr Haus an einem Wadi überflutet wurde. Der Frauenbewegung der 70er Jahre galt sie als Heldin. .

10 T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien)
10 T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien)Foto: imago

10 T.E. Lawrence (1888 – 1935), bekannter als Lawrence von Arabien (so hieß auch das dreieinhalbstündige Filmepos von 1962), war britischer Archäologe, Soldat und Autor. Er war Verbindungsmann der britischen Armee zu den aufständischen Arabern im Ersten Weltkrieg, der zu der Niederlage des Osmanischen Reiches auf der Halbinsel beitrug. Das machte ihn zum Nationalhelden. Er diente auf eigenen Wunsch später als einfacher Soldat in der Armee.

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