Auktionsvorschau Ketterer : Auf dem Sprung in die Moderne

„Kunst aus dem 19. Jahrhundert“: Die Highlights der Frühjahrsauktion von Ketterer Kunst sind in der Berliner Dependance des Hauses zu sehen.

Angela Hohmann
Schöner Schopf. Studie eines Römers von Anselm Feuerbach (ca. 1857).
Schöner Schopf. Studie eines Römers von Anselm Feuerbach (ca. 1857).Foto: Ketterer

Gänzlich nackt und leicht errötet sitzt die junge Frau auf einem schmalen, dunkelgrünen Sofa. Ihr weißes Kleid liegt auf dem Boden und ist um die Füße drapiert. Der Blick unter den dunklen, hochgesteckten Haaren geht leicht links aus dem Bild. Im Hintergrund steht ein Strauß gelber und roter Rosen. So malte der in München ansässige Künstler Leo Putz 1908 Auguste Bennat, genannt Gusti, die ihm zwischen 1906 und 1908 häufiger Modell stand (60 000–80 000 Euro). Das Motiv der sitzenden Dame variierte Putz seit 1905 immer wieder, experimentierte dabei mit Farbe und Form und entwickelte einen zunehmend freieren Stil. Allmählich löste er sich von der klassischen Malerei des 19. Jahrhunderts und mischte sie mit Elementen des Impressionismus. Schließlich wurde die Malerei des 1869 in Meran geborenen Künstlers so modern, dass sie den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war, sie erklärten seine Werke zur „entarteten Kunst“.

Das Bildnis ist eines von 91 Werken, die im Mai bei Ketterer Kunst in München im Rahmen der Auktion „Kunst aus dem 19. Jahrhundert“ versteigert werden. Vorher sind die Highlights der Frühjahrsauktion in der Berliner Dependance des Hauses (Fasanenstraße 70, am 7. 5. von 10–20 Uhr, am 8. 5. von 10–15 Uhr) zu sehen. Neben Putz werden Künstler gezeigt, die auf dem Sprung vom 19. Jahrhundert in die Moderne waren; darunter der Münchner Symbolist Franz von Stuck mit einem in tiefdunklen Tönen angelegten „Forellenweiher“ (20 000–30 000 Euro) und Karl Hagemeister mit einigen bewegten Landschaftsbildern (10 000–15 000 Euro). Friedrich Kallmorgen hat die Rast zweier Mädchen auf einer Sommerwiese festgehalten (12 000–15 000 Euro), es gibt eine impressionistisch angehauchte Sommerlandschaft in satten Grüntönen von Charles Johann Palmié (6000–8000 Euro) und eine Lithografie aus der Mappe „Alpha & Omega“ von Edvard Munch mit einem eng umschlungenen Paar in einem Wald (4000–6000 Euro).

Im 19. Jahrhundert dominieren vor allem Genrebilder, die Porträtkunst sowie Landschafts- und Historienmalerei. Ein Beispiel für Letztere ist das Gemälde „Napoleon vor dem brennenden Smolensk“ von Albrecht Adam aus dem Jahr 1836, das den französischen Eroberer auf dem Russlandfeldzug 1912 zeigt, hoch zu Ross auf einem Schimmel, zu dessen Hufen Leichen liegen. (100 000–120 000 Euro). Erwähnenswert sind auch das Gemälde mit der herbstlichen Schafschur von Stefano Bruzzi aus dem Jahr 1885, die Porträts von Joseph Karl Stieler und seinem Neffen Friedrich Dürck. Besonders ist außerdem das Ölbild vom Watzmann-Hocheck des begeisterten Alpinisten Edward Theodore Compton.

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