Die Philosophie des benediktinischen Ordens

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Ausstellung im Kloster Memleben : Müßiggang ist der Feind der Seele
Zum Kloster gehörte früher auch ein großer Garten, dessen Dimensionen heute noch zu erahnen sind.
Zum Kloster gehörte früher auch ein großer Garten, dessen Dimensionen heute noch zu erahnen sind.Foto: Tim Hufnagl

Natürlich wird Benedikt von Nursia in der Ausstellung gewürdigt, jener Mann, der um 525 herum erster Reformator der römischen Kirche war. Dem Verfall der Sitten des Klerus setzte er seine eigene asketische und kompromisslose Lebensweise entgegen. Seine „Regula Benedict“ mit mehr als 73 Kapiteln beeinflusst das abendländische Klosterleben bis heute. Wenn auch inzwischen die erste Gebetsstunde nicht mehr zwischen ein und zwei Uhr in der Nacht beginnen muss. „Müßigkeit ist der Feind der Seele“, beschwor der Heilige Benedikt seine Zeitgenossen und schuf damit jene Lebensphilosophie, die den benediktinischen Orden nachhaltig prägte. „Ora et labora“ folgte daraus, aber auch die Aufgabe, zu lesen und zu lernen.

Karl der Große setzte auf eine neue, einheitliche Schrift

Rund 300 Jahre nach Benedikt von Nursia gab Karl der Große dem Verständnis von Wissen und Lehre neue Impulse. Er setzte mit der als „karolingische Minuskel“ bezeichneten neuen und vor allem einheitlichen Schriftart die Grundlage unseres heutigen Schriftbildes. So wurde jahrhundertealtes Gedankengut der Medizin, Theologie, Mathematik und bildenden Kunst bewahrt und in den Klosterbibliotheken gesammelt.

Als Otto II. und seine Frau Theophanu aus Byzanz das Kloster Memleben um 975 stifteten, wurde vermutlich nach Schema F gebaut. Man vertraute auf den karolingischen Klosterplan von St. Gallen (819), der gleichsam als Muster für tausende spätere Klöster diente. In Memleben zeugt von dieser architektonischen Blaupause etwa die monumentale Kirche – 82 Meter lang und fast 40 Meter breit. Die Umrisse der beeindruckenden Grundmauern sind noch heute gut zu erkennen.

100 Nutzpflanzen wachsen im Klostergarten

Natürlich gehörte auch ein Klostergarten zum Ensemble. Weil die Mönche sich früher fast ausschließlich vom selbst angebauten Obst und Gemüse ernähren mussten, war der Garten riesig. In Memleben ist er heute erheblich geschrumpft – und steckt doch voller Vielfalt. „Rund 100 Nutzpflanzen wachsen darin“, sagt Andrea Knopik. Ob Mangold, Kohl, Pastinaken, Rettich, Zwiebeln oder Lauch, nichts fehlt. Dazu gibt es noch jene Kräuter, die einst unentbehrlich für die Krankenpflege waren und noch immer heilende Wirkung entfalten: Fenchel und Anis helfen bei schlechter Verdauung, Bockshornklee lindert Gicht, Fieber und Erkältung, und Blutwurz hilft gegen Entzündungen. Die Rose, zur Salbe verarbeitet, soll Jähzorn und Lähmungen bekämpfen, die Ringelblume Wunden schneller verschließen. Die Weisheit eines Mönchs namens Walahfrid Strabo wird in der Ausstellung hervorgekramt: „Pflücke Rosen im Streite und brich frohe Lilien im Frieden.“

Wertvolles Ausstellungsstück: Ein Eisen zum Prägen von Brot mit Petrus und Paulus.
Wertvolles Ausstellungsstück: Ein Eisen zum Prägen von Brot mit Petrus und Paulus.Foto: Tim Hufnagel

Elf Klöster liegen an der Straße der Romanik

Dass in Memleben nun Geschichtsunterricht in schönster Form erlebt werden kann, ist übrigens einem Preußen zu verdanken: Karl Friedrich Schinkel. Ohne den aufmerksamen Baumeister, der auch als einer der ersten Denkmalpfleger Deutschlands gilt, wäre das Kloster womöglich für alle Zeiten verloren gewesen. 1833 hatte Schinkel die Reste der ehemals prächtigen Anlage entdeckt und vor dem totalen Verfall gerettet. Dabei schrieb er am 13. Juli 1833 noch skeptisch in sein Tagebuch: „... die Nutzung der Krypta als Kartoffelkeller ist sehr unpassend, aber leider zur Zeit nicht abzustellen.“ Es gelang indes doch. König Friedrich Wilhelm IV. veranlasste aufgrund von Schinkels Hinweisen, den oberen Chor mit großen Bodenplatten auszulegen. So konnte die darunterliegende Krypta geschützt werden, die heute Besucher aus aller Welt fasziniert.

Das beeindruckende Kloster Memleben wird vor allem jene überraschen, die entsprechende Anlagen eher in Österreich oder im Süden Deutschlands vermuten. Dabei ist die Klosterlandschaft gerade in Sachsen-Anhalt reich und sehenswert. Elf Klöster bilden hier ein Netzwerk. Viele davon, wie etwa die in Jerichow oder Gröningen, liegen an der „Straße der Romanik“, die wie eine Acht durch das Bundesland Sachsen-Anhalt verläuft. Diese Ferienstraße feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Grund genug, sie (nicht nur) in Memleben gebührend zu feiern.

Die Ausstellung "Wissen und Macht. Der Heilige Benedikt und die Ottonen" ist bis zum 15. Oktober 2018 im Kloster und Kaiserpfalz Memleben zu sehen. Mehr Infos im Internet unter: www.kloster-memleben.de/de/sonderausstellung-2018.html

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