Ausstellung im Kloster Memleben : Müßiggang ist der Feind der Seele

Kloster Memleben liegt etwas abseits im Unstruttal. Jetzt lockt es mit der Ausstellung: „Wissen und Macht. Der Heilige Benedikt und die Ottonen“.

Geschütztes Juwel. Die unterirdische Krypta war lange Zeit nicht zugänglich.
Geschütztes Juwel. Die unterirdische Krypta war lange Zeit nicht zugänglich.Foto: Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben/Tim Hufnagel

Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Zeile für Zeile: Mit Akribie ließ der Student die Feder übers Papier gleiten, so, wie seine Lehrer es von ihm verlangten. Das „Reichenauer Schulheft“ legt Zeugnis ab vom Bildungswesen im frühen 9. Jahrhundert. Jetzt ist das einzigartige Dokument in der Ausstellung „Wissen und Macht. Der Heilige Benedikt und die Ottonen“ im Kloster Memleben zu sehen. „Für viele ist ein Kloster heute einfach nur ein Ort der Vergangenheit“, sagt Andrea Knopik. Was wir den Klöstern zu verdanken haben, sei kaum bekannt. Grund genug für die Kunsthistorikerin, mit der von ihr kuratierten Ausstellung für Nachhilfe zu sorgen.

Der Ort, an dem sie’s tut, könnte beeindruckender kaum sein. Zwei bedeutende Herrscher sind hier in der Kaiserpfalz Memleben gestorben: König Heinrich I. – die Umstände seines Todes wurden nie aufgeklärt – und sein Sohn Otto, der erste deutsche Kaiser. Beide hatten schon zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass sich die Nachwelt ihrer erinnern würde. Zu dieser Erinnerung gehörte der Bau der Memlebener Klosterkirche. Sie wurde im 13. Jahrhundert ersetzt und erhielt eine der schönsten spätromanischen Krypten Europas, die – zum Glück – erhalten ist.

Karl Friedrich Schinkel hatte die Reste des Klosters 1833 entdeckt und vor dem totalen Verfall gerettet.
Karl Friedrich Schinkel hatte die Reste des Klosters 1833 entdeckt und vor dem totalen Verfall gerettet.Foto: Tim Hufnagl

Dass Reisende hierher finden – rund 20 000 Besucher kommen pro Jahr – ist fast ein wenig überraschend. Denn Kloster Memleben liegt versteckt im malerischen Unstruttal. Stille herrscht über den Klostermauern, die nach der Wende liebevoll restauriert worden sind. Zu DDR-Zeiten nutzte ein volkseigener Betrieb das Gelände, 1989 hat die Gemeinde das Kloster von der Treuhand zurückgekauft. Inzwischen hilft eine Stiftung mit, das historische Erbe zu bewahren und es mit modernen Konzepten zu füllen.

Networking gab es schon im Mittelalter

Die neue Ausstellung ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Geschichte lebendig werden kann. 60 Objekte, darunter etwa die Gewandspange eines Frauenkleides (Scheibenfibel) aus dem 7. Jahrhundert, eine Hostienmonstranz (16./19. Jahrhundert) oder eine Silbermünze aus dem frühen 13. Jahrhundert. Doch die Zeit, in einer Ausstellung nur Objekte anzuschauen und Texte zu lesen, sei vorbei, findet Andrea Knopik. So habe man interaktive Elemente eingefügt, durch die Besucher das Thema „Wissen und Macht“ im wahrsten Sinne des Wortes erleben können. Anhand eines Puzzles etwa lässt sich die Heiratspolitik der damaligen Zeit verstehen. „Networking ist ja nichts Neues“, sagt die Kunsthistorikerin, „das gab es im Mittelalter auch schon.“ Da wurde eben ein Bruder oder eine Cousine als Abt oder Äbtissin eingesetzt.

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