Ausstellung in Charlottenburg : Sinneswandel

Sergej Jensen, Sven Tempers und Sofie Dawo: In der Galerie Jochum Rodgers in Charlottenburg treten Kunst und Design in Dialog.

Jens Müller
Sternstunde der Bescheidenheit. Innenansicht der Ausstellung "Minimale Differenzen".
Sternstunde der Bescheidenheit. Innenansicht der Ausstellung "Minimale Differenzen".Foto: Courtesy of Jochum Rogers

Kunst und Design kommen einander immer näher. Der verdiente Design-Galerist Hans-Peter Jochum sammelt selbst Kunst und hatte lange vor, beides einmal zusammen zu zeigen – und zu verkaufen. Er, der in den Domizilen vieler Kunstsammler zu Gast war, war nämlich immer wieder davon enttäuscht, wie sehr dort die Räume hinter der Kunst zurückblieben. So reifte in ihm die Idee eines Arrangements, das die gegenseitig bereichernde Wirkung von Kunst und Design einmal exemplarisch vorführt, und zwar: „sehr leise, im Sinne von bescheiden“.

Naturfarben, Pastelltöne und Weiß sind also die vorherrschenden Farben. Der zumeist als Maler einsortierte Sergej Jensen bevorzugt Bildträger wie Leinen, Jute und Baumwolle, die er nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Bleiche und Chlor behandelt. Mit dieser armen Ästhetik korrespondieren die geometrischen Holzmöbel eines Pierre Chapo oder Angelo Mangiarotti tatsächlich aufs Vortrefflichste. Um ein Wandregal Sven Tempers ordnete Jochum intuitiv neun Kunstwerke, von einem mit dem Motiv des Halbmonds spielenden, jadegrünen Wandobjekts Ayse Erkmens bis zu einer monochrom türkisfarbenen Gouache von Ulrich Erben. Weitere Kunstwerke, fast alle aus Jochums eigener Sammlung, stammen von Hartmut Böhm, Andreas Brandt, Matti Braun, Sofie Dawo, Frauke Eigen, Thomas Grünfeld, Lena Meyer- Bergner oder Grete Reichardt; die Möbel außerdem von Alvar Aalto, Osvaldo Borsani, Erich Dieckmann, Charles und Ray Eames, Hubert Hoffmann, Dieter Rams, Gino Sarfatti und Hans Wegner.

Nur ein Gedanke: Wenn es irgend etwas einzuwenden gäbe gegen diese stille Feier der einfachen Dinge, dann vielleicht die Abwesenheit irgendeines Bruchs. Ein Werk schließt hier so selbstverständlich an das andere an, ohne zu viel an Aufmerksamkeit für sich selbst zu beanspruchen… Aber wahrscheinlich würde so ein Bruch, würde ein einziges richtig lautes Objekt (ein Memphis-Design zum Beispiel) diese Sternstunde der Bescheidenheit sofort mit einem lauten Knall beenden.

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Jochum Rodgers, Mommsenstr. 3; bis 9. 6., Di–Fr 14–18.30 Uhr, Sa 11–16 Uhr

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