Ausstellung über Hauptmann Höhn : Vater der japanischen Polizei

Der preußische Polizeihauptmann Friedrich Wilhelm Höhn reformierte das japanische Polizeisystem. Die Mori-Ôgai-Gedenkstätte widmet ihm eine Ausstellung.

Polizeihauptmann Höhn
Polizeihauptmann HöhnFoto: Polizeihistorische Sammlung Berlin

Versteckt im ersten Stock eines Altbaus in der Luisenstraße in Mitte liegt die Mori-Ôgai-Gedenkstätte. Hier wohnte einst der japanische Arzt, Literat, Übersetzer Mori Ôgai. In den 1880er Jahren wurde er unter dem damaligen Kaiser Meji ins Deutsche Reich geschickt, um bei Robert Koch Hygiene zu studieren und anschließend das japanische Sanitätswesen zu reformieren. Doch Ôgai wurde im Laufe seines Lebens nicht nur der ranghöchste Sanitätsoffizier des japanischen Heeres, sondern auch einer der wichtigsten Mittler zwischen europäischer und asiatischer Literatur und Kultur. So übersetzte er beispielsweise Goethes „Faust“ und die Dramen Gerhart Hauptmanns ins Japanische.

Fast zur gleichen Zeit, in der Ôgai in Deutschland lebte, hielt sich der preußische Polizeihauptmann Friedrich Wilhelm Höhn in Japan auf. Im Rahmen einer Kooperation der beiden Kaiserreiche sollte er das japanische Polizeisystem nach dem Beispiel Preußens reformieren und modernisieren. Zwischen 1885 und 1891 bildete Höhn insgesamt 553 japanische Polizeibeamte für den gehobenen Dienst aus, die anschließend über das ganze Land verteilt wurden, um die neue Ordnung umzusetzen. Von seinen Zeitgenossen wurde er deshalb gar als „Vater der japanischen Polizei“ bezeichnet. Ihm widmet sich nun eine Sonderausstellung in der Ôgai-Gedenkstätte. Mit Originaldokumenten und zeitgenössischen Fotografien erzählt sie von Höhns Leben in Brandenburg, Berlin und – natürlich – vor allem von seiner Zeit in Japan.

Reisetagebücher fordern kuriose Details zutage

Höhn bildete nicht nur Polizisten aus, für Inspektionen der Provinzpolizei bereiste er große Teile des ländlichen Japans. Seine Reisetagebücher, die in der Ausstellung in Auszügen zu sehen sind, fördern teils kuriose Details zutage. So ließ sich der preußische Polizeihauptmann Dosen mit Erbsensuppe und Sauerkraut aus Deutschland schicken, weil er das japanische Essen nicht vertrug. Sie zeigen aber auch, welch scharfer Beobachter Höhn war, der soziale Missstände wie Kinderarbeit oder schlechte Arbeitsbedingungen kritisierte.

Die Ausstellung lässt den Besucher in ein fremdes Leben eintauchen. Doch man wünscht sich, dass sie Höhns Biografie mehr in den historischen Kontext einordnen und vor allem reflektieren würde. Denn das preußische Polizeisystem, das Höhn vermitteln sollte, war vor allem ein Instrument der Überwachung und Unterdrückung der Menschen. Ein Aspekt, den die Ausstellung leider außer Acht lässt.

Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Luisenstr. 39, bis 20. 12., Mo–Fr 10–14 Uhr.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!