Ausstellung von Michael Ballou : Räume in Bewegung

Heilende Energie: Der New Yorker Künstler Michael Ballou lädt seine Besucher in der Kienzle Art Foundation zu einer Zeit der Muße.

Arte Povera. Die Wirkung der Schau beruht auf einfachsten Mitteln.
Arte Povera. Die Wirkung der Schau beruht auf einfachsten Mitteln.F.: Kienzle Foundation

Und wenn gar nichts mehr geht nach stundenlangen Wanderungen über Berlins Kunstmessen oder durch die Galerien der Stadt, dann führt der Weg hoffentlich genau hierhin: in die Ausstellung des New Yorker Künstlers Michael Ballou in der Kienzle Art Foundation.

Ballou lädt seine Besucher zu einer Zeit der Muße. Dafür hat er Stühle in der Stiftung platziert und daneben noch selbst gezimmerte Lampen mit divers perforierten Schirmen. Ihre Muster leiten das Licht der Glühbirnen direkt in den Raum und projizieren träumerische Szenen an die Wand. Ein Schubs genügt, schon wird aus den Schnittmustern ein Bewegtbild: Die Lampen drehen sich an Ketten, und mit ihnen scheinen auch die Räume in Bewegung. Wie gut, dass man sich die Ausstellung „A Pound of Sound is round“ sitzend anschauen und dazu Texte von Kurt Hoffman oder Gedichte von Brian Dewan lesen kann – über das Leben in seinen Spielarten.

Überwältigung mit einfachen Mitteln

Durch die Fenster fließt gefärbtes Licht. Ballou, Jahrgang 1951, hat sie mit gelbem Papier zugeklebt und die dünne Schicht auf dem Glas mit schwarzem Karton versteift. Beides zusammen erinnert nun an bunte Kirchenfenster. Hier schwant einem, dass die Ausstellung doch aufwendiger ist, als sie tut. Ihre Leichtigkeit aber ist echt, die sinnliche Überwältigung mit einfachen Mitteln ein Clou und die Kunst bei Ballou zum sinnlichen Abdriften da. Der Besucher erlebt sich in einem Zustand gesteigerter Wahrnehmung. Farben, Worte, die Energie der Räume – das alles wirkt heilend.

Kienzle Art Foundation, Bleibtreustr. 54; bis 5.10, Do/Fr 14–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr.

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