Band of Horses live in Berlin : Roadtrip durch die Prärie

Band of Horses gaben im ausverkaufen Heimathafen Neukölln ein kraftvolles Konzert, bei dem viel Schweiß floss.

Die US-amerikanische Rockgruppe Band of Horses.
Die US-amerikanische Rockgruppe Band of Horses.Foto: Chris Wilson/Sony

Bloß nicht berühren. Einfach nur stehen und schwitzen. Doch wenn es schon im Parkett so heiß ist, wie warm muss es erst auf der Bühne des Heimathafens sein? Dort, wo die Scheinwerfer auf die Band of Horses mit Frontmann Ben Bridwell niederbrennen. Der Sänger, Gitarrist und maßgebliche Songschreiber gerät im Laufe des 90-minütigen Konzerts auch zusehends ins Wanken.

Der Auftritt der Gruppe aus South Carolina hat etwas von einem Kraftakt. Schon im dritten Song, „Cigarettes, Wedding Bands“, schreddern die fünf Musiker dermaßen lustvoll herum, als befänden sie sich bereits im Zugabenblock. Mit seinem effektvollen Wechsel von lauten und leisen Passagen steht das Stück exemplarisch für den Sound, mit dem die Gruppe Mitte der nuller Jahre bekannt geworden ist.

Ihr größter Hit, „The Funeral“, den sie tatsächlich erst als Zugabe spielt, funktioniert nach demselben Muster. Über eine einsame Gitarrenfigur singt Bridwell mit seiner hellen, leicht bohrenden Stimme. Er arbeitet hart, bleckt die schiefen Zähne, schüttelt seinen Kopf, presst den Lungen auch die letzten Töne ab, bevor sich die Band hineinwuchtet, um dem Song die großen Emotionen abzuringen.

Einen neuen Song spielt die Band aus South Carolina

Mit ihren vielen Tattoos sieht die Gruppe gefährlicher aus, als sie ist. Sie klingt live allerdings auch härter, als viele der nicht mehr ganz jungen Fans im Heimathafen Neukölln sie von den fünf Alben her kennen. Drei Jahre sind seit der letzten Platte „Why Are You OK“ vergangen, doch ein neues Album scheint nicht in Sicht. So schafft es nur ein neuer Song namens „Hard Times“ ins Programm. Er entpuppt sich als nette Midtempo-Nummer, wie sie seit dem Album „Infinite Arms“ von 2010 zu den Standards der Gruppe gehören, irgendwo in der Prärie zwischen Folk, Country und Indie-Rock.

Dem schwammigen Sound im Heimathafen kommen solche Schunkler entgegen. Genauso wie Geradeaus-Rocker à la „NW Apt.“, bei dem sich vier der Musiker an den Bühnenrand stellen, um mit dem Druck von drei Gitarren und einem Bass loszuwalzen.

Vor zwei Jahren sind mal wieder zwei Mitglieder ausgestiegen, zwei neue aufgesprungen. Das Publikum stört das nicht, es hat erneut für ein ausverkauftes Berlin-Konzert gesorgt. Ein kleines Grüppchen bricht sogar das Nicht-anfassen-Gebot und setzt zum Crowdsurfing an. Ein waghalsiges Unterfangen, aber die Band gibt schließlich auch alles.

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