Beatrice Rana im Kammermusiksaal : Auf der Suche nach einem Stil

Die junge italienische Pianistin Beatrice Rana spielt erstmals auf Einladung der Berliner Philharmoniker - und findet dabei die Handbremse nicht.

Beatrice Rana
Beatrice RanaFoto: Nicola Bets

Eigentlich ist es ein spannendes Programm aus Bach, Schumann, einem unbekannten Spanier und Strawinsky, das Beatrice Rana im Gepäck hat. Die 1993 in Apulien, ganz am Absatz des italienischen Stiefels, geborene Pianistin hat bedeutende Wettbewerbe gewonnen und sich so lange nach oben gearbeitet, dass jetzt die Einladung der Berliner Philharmoniker zu einem Soloabend im Kammermusiksaal anstand. Bachs Konzert F-Dur BWV 917 „nach Italienischen Gusto“ trägt zwar die Bezeichnung „Concerto“, ist aber tatsächlich nur für eine Solistin geschrieben – das Klavier imitiert, Vivaldi im Geiste folgend, die wettstreitenden Stimmen. Rana gelingt das zwar technisch perfekt, aber dieses wie auch die weiteren Stücke scheinen ihr unter der Hand durchzurauschen, ohne dass sie einen charakteristischen Zugang, eine eigene Sprache, einen Stil finden würde. Schumanns „Concert sans orchestre“ op. 14 entstand im Überschwang der frühen Liebe zu Clara. Rana pumpt es zwar reichlich voll mit Gefühl und Überschwang, erzielt damit aber auch ein verwaschenes Klangbild, das das Herz des Hörers nicht zu erreichen vermag.

Spannender spanischer Folklorismus

Wie zur Kompensation scheint sie sich nach der Pause zu einem Strategiewechsel zu entschließen – und quält den Flügel mit Brachialfortissimi. Welch Rustikalität, welch Gewalt! Die „Impressionen“ von Isaac Albéniz, von denen Rada drei spielt, fordern das nicht ein. Vielmehr böten sie die Chance, einen spannenden spanischen Folklorismus kennenzulernen, der sich einer fast Debussy’schen Intimität und Reduziertheit der Mittel bedient. Unter den Händen der zierlichen Musikerin aber zerspringt das, auch wenn sie immer wieder Piano-Inseln setzt, die sehr kunstvoll klingen, doch meist nach wenigen Augenblicken hinweggespült werden. Wohlmeinende könnten ihren Zugriff „beherzt“ nennen, „grimmig“ und „verhärmt“ aber träfe es besser.

1921 transkribierte Strawinsky sein „Petruschka“-Ballett in „Trois Mouvements“ für Klavier. Dass man selbst bei ihm, dessen Musik so einiges aushält, das Gefühl hat, Rana mache von allem zu viel: Das will einiges besagen. Dass sie auch zu leisen, sogar zauberhaften Tönen in der Lage sein kann, demonstriert sie erst in der Zugabe, der zweiten Romanze aus Schumanns op. 28. Warum jetzt erst, warum so spät? So verlässt man nach zwei Stunden ein verstörendes Konzert.

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