Bei der Nasa auf dem Catwalk : Astronautenanzüge sind jetzt geschmeidiger

Wer auf dem Mond landet, muss künftig nicht mehr hüpfen. Wegen der tollen neuen Raumanzüge. Schade eigentlich, denn Hüpfen ist gesund.

Kristine Davis, neben der Ingenieurin Amy Ross (l), stellt in Washington den neuen, flexibleren Nasa-Raumanzug vor.
Kristine Davis, neben der Ingenieurin Amy Ross (l), stellt in Washington den neuen, flexibleren Nasa-Raumanzug vor.Foto: Andrew CABALLERO-REYNOLDS/AFP

Heute schon gehüpft? Hüpfen ist gesund, das weiß jedes Kind. Es schmiert die Bandscheiben, stärkt Herz und Kreislauf, trainiert die Gelenke und erhellt das Gemüt. Kein Wunder, dass Neil Armstrong nach seiner strapaziösen Apollo-Reise vor gut 50 Jahren auf dem Mond erst mal herumgehüpft ist. Kleiner Jump für einen Menschen, Riesenhopser für die Menschheit.

Liebe Astronautinnen und Astronauten, liebe Mondtouristen, mit solchen Fitnesseinlagen ist ab sofort Schluss. Die Nasa hat nämlich neue Raumanzüge entwickelt, die bei der nächsten Mondmission namens Artemis getragen werden sollen. Ein Spacesuit in Rotweißblau, also schön patriotisch. Und vor allem: bewegungsoptimiert.

Zwar erinnerte das Model Kristine, die das Astro-Design jetzt auf dem Catwalk der Raumfahrtbehörde präsentierte, trotz flexiblem Hüftscharnier eher an eine tapsige Schildkröte, die fröhlich winkend den aufrechten Gang testet. Trotzdem dürfte sich die nächste Mondmission durch eine nie dagewesene Eleganz auszeichnen. Schon die Minimierung der Schwerkraft wird jede Schildkröten-Assoziation im Nu vergessen machen. Jeder Erdling kann sich auf dem Erdtrabanten künftig geschmeidig bewegen.

Für den Weltraum der Kunst ist das ziemlich bedauerlich. Dachte man nicht ein bisschen an den berühmten Hasen von Joseph Beuys, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin über den Mond hoppelten, keine vier Jahre, nachdem der Künstler ausgerechnet einem Hasen das Wesen der Kunst erklärte?

Ist Hüpfen nicht überhaupt Kunst? Tino Sehgal ließ auf der Biennale in Venedig hüpfende Perfomer „All this is so contemporary“ rufen; und der Choreograf William Forsythe tourte vor ein paar Jahren mit dem White Bouncy Castle durch die Gegend. Auch bei den Berliner Festspielen machte die Hüpfburg Station und verlockte die Kulturszene zu Lockerungsübungen.

Zum Glück ist Berlin nicht nur Kulturmetropole, sondern auch Weltraumstadt. Vielleicht kann die Mondmode ja bei den Start-ups des New-Space-Boom landen, die mit Würfelsatelliten und Marsmaulwürfen Furore machen. Oder bei der Fashion Week im Januar. Mehr Geschmeidigkeit kann die Hauptstadt immer gebrauchen.

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