Berlin Art Week : Art Berlin und Positions präsentieren junge, lokale Kunst

Die beiden Messen Art Berlin und Positions locken ihre Kunden im Flughafen Tempelhof auch mit einem umfassenden Begleitprogramm.

Laufkundschaft. Installation der Galerie Conrads im Hangar des Flughafen Tempelhofs.
Laufkundschaft. Installation der Galerie Conrads im Hangar des Flughafen Tempelhofs.Foto: Clemens Porikys

Man geht ins zweite Jahr und erreicht die Berliner Messen immer noch durch unterschiedliche Tore. Obwohl die Hangars am ehemaligen Flughafen Tempelhof unmittelbar nebeneinander liegen, treten die Art Berlin und die Positions weiterhin als Monaden auf. Was bedauerlich ist, denn um sich im üppigen Angebot der Art Week zu behaupten, wäre gemeinsame Stärke zumindest im Eingangsbereich eine gute Maßnahme.

Zusammen kommen die beiden Plattformen auf 180 Teilnehmer. Zeitgenössische Kunst, vieles frisch aus den Ateliers, charakterisiert weiterhin das Angebot. Seit die Kölner Messe Art Cologne als Träger der Art Berlin eingesprungen ist, wird zudem die Nachkriegskunst gepflegt. Für Highlights sorgen die Galerien Friese, Nothelfer oder Hans Mayer aus Düsseldorf. Die Berliner Galerie Neugerriemschneider mit prominenten Künstlern wie Ai Weiwei oder Ólafur Elíasson hat sich dagegen zurückgezogen und konzentriert ihre Kräfte auf Ais große Schau in den eigenen Räumen.

Was ebenfalls auffällt: Judy Lybke präsentiert auf der Art Berlin erstmals die Mediengruppe Bitnik, Signe Pierce und Raul Walch, die sonst im Programm der Galerie Eigen + Art nicht auftauchen. Der Messestand speist sich vielmehr aus Experimenten, die zuletzt im Lab der Galerie stattfanden. So macht Lybke, der auf vielen großen Messen unterwegs ist, die Stärken Berlins deutlich. Nirgendwo drängen so viele junge Künstler hin wie in die Metropole. Und welcher Sammler kann schon überall seinen Kopf in die Ateliers stecken, um den state of the art zu erkunden? Also bringt Eigen + Art diese Kunst dorthin, wo sich für ein paar Tage alle tummeln.

Messen funktionieren wie Schaufenster

Messen funktionieren wie Schaufenster, Besucher sollen aus dem Vollen schöpfen und „in wenigen Stunden einen guten Blick über den aktuellen Kunstmarkt gewinnen“, sagt Maike Cruse, Direktorin der Art Berlin. Damit der Blick über Berlin hinausreicht, erweitern Galerien wie Alber aus Köln, Erti aus dem georgischen Tiflis oder die Moskauer Triangle Gallery das Programm. Auch die Positions Berlin verordnet sich ein Programm mit internationalen Galerien wie Maus Contemporary aus dem amerikanischen Birmingham, Maksla Xo (Riga) und überregionalen Teilnehmern wie Thomas Fuchs (Stuttgart).

[Art Berlin (Hangar 5 & 6, Tempelhofer Damm 45) und Positions Berlin Art Fair (Hangar 4, Columbiadamm 10), Flughafen Tempelhof, beide 12.-15.9.]

Schwerpunkt auf ganz junge Räume

Allerdings fällt die Abwesenheit jener Global Player auf, die in Basel wie New York verlässlich für Millionenumsätze sorgen. In Köln sind David Zwirner, Hauser & Wirth oder Thaddaeus Ropac seit Jahren dabei. Dennoch vermag es die Art Cologne nicht, sie auch in die Hauptstadt zu holen. Berlin ist offenbar ein Biotop, in dem Schwergewichte wie Esther Schipper, Sprüth Magers oder Capitain Petzel gedeihen, die sich nicht nur an der Art Berlin beteiligen, sondern auch in den eigenen Räumen Hochkarätiges – diesmal von Roman Ondak, Hanne Darboven oder Ryan Trecartin – zeigen.

Hier das Etablierte, dort die Kunst von morgen, dazu ein umfassendes Talk- und Vermittlungsprogramm: Mit dieser Aufstellung will Berlin als Kunsthandelsplatz punkten. Beide Messen stärken noch einmal ihren Sektor mit der nächsten Generation. „Einen Fokus legen wir in diesem Jahr auf ganz junge Räume“, sagt Maike Cruse, dafür stünden die Teilnehmer des „Salon“-Programms: O-Town House (Los Angeles), Sans titre (Paris) oder Schiefe Zähne (Berlin). Bei der Positions Berlin werden dafür die „Academy Positions“ ausgeweitet: ein Förderprojekt für Studenten, das den Messebesuchern die Chance auf einen preiswerten Einstieg gibt.

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